Scheitern

Scheitern kommt meistens nicht laut.
Manchmal ist es nur das Ausbleiben —
von dem, was man
so lange erwartet hatte.

Es zeigt sich selten als einzelnes Ereignis.
Eher als ein Moment,
in dem klar wird:
dieser Weg führt nicht weiter.

Scheitern ist nicht dasselbe wie Versagen.
Versagen bewertet.
Scheitern stellt fest —
ohne dass jemand schuld sein muss.

Es richtet sich nicht immer auf Ziele.
Manchmal scheitert eine Vorstellung,
ein Entwurf vom eigenen Leben —
der nie ausgesprochen wurde.

Im Scheitern entsteht eine Schwelle.
Auf der einen Seite, was war.
Auf der anderen,
was noch nicht sichtbar ist.

Es lässt sich nicht ungeschehen machen.
Eher wie ein Einschnitt,
der das Vorher und Nachher
für immer unterscheidbar macht.

Scheitern lässt sich nicht vermeiden durch Vorsicht allein.
Wer nichts riskiert,
scheitert nicht —
aber er beginnt auch nicht.

Es verändert nicht, was möglich ist.
Aber es verändert,
was man bereit ist,
beim nächsten Mal zu wagen.

Wer gescheitert ist,
hat etwas versucht.
Das ist nicht wenig —
das ist der Anfang von allem.

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