Schläfrigkeit

Schläfrigkeit zieht nach unten.
Sanft, beharrlich, ohne Eile —
sie will nichts Bestimmtes,
nur dass man nachgibt.

Die Augen werden schwerer.
Gedanken verlieren ihre Kanten.
Was eben noch wichtig schien,
rückt in eine freundliche Ferne.

Sie ist der Übergang — nicht das Ziel.
Schlaf wartet dahinter.
Schläfrigkeit ist der Korridor davor —
der Moment, in dem man loslässt, ohne es zu entscheiden.

Schläfrigkeit und Müdigkeit sind verschieden.
Müdigkeit erschöpft, fordert, klagt an.
Schläfrigkeit ist sanfter —
eine Einladung, keine Forderung.

Manchmal kommt sie zur Unzeit.
In einem Gespräch, das noch nicht fertig ist.
Bei einer Aufgabe, die noch wartet.
Der Körper interessiert das wenig.

Manchmal kommt sie genau richtig.
An einem Abend, der sich abrundet.
Wenn der Tag gegeben hat, was er hatte —
und der Körper weiß, dass es reicht.

Sie lässt sich kurz aufhalten.
Durch Licht, durch Bewegung, durch Kälte.
Aber wer zu lange wartet,
merkt dass sie geduldiger ist als er.

Wer Schläfrigkeit kennt —
die warme, die unweigerliche —
weiß dass es im Leben Momente gibt,
in denen Nachgeben die klügste Entscheidung ist.

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