Schlaf
Schlaf kommt nicht auf Befehl.
Er nähert sich — oder er bleibt aus.
Man kann ihn einladen, aber nicht zwingen.
Er entscheidet selbst, wann er eintritt.
Er ist kein Bewusstseinsverlust.
Er ist ein anderes Bewusstsein.
Eines, das keine Sprache braucht.
Das sich selbst genug ist.
Im Schlaf hört der Körper auf zu erklären.
Er atmet, er sinkt, er gibt nach.
Was tagsüber gehalten wurde —
lässt sich hier los.
Schlaf ist nicht dasselbe wie Ruhe.
Ruhe kann man wach erleben.
Schlaf verlangt die vollständige Übergabe.
Den Moment, in dem man aufhört, man selbst zu sein.
Manchmal liegt man lange an seiner Schwelle.
Der Geist dreht noch Runden.
Der Körper ist schon angekommen.
Nur der Gedanke hält noch fest.
Was im Schlaf entsteht, weiß man selten.
Manchmal ein Bild, das bleibt.
Manchmal nichts — und trotzdem
ist man am Morgen ein anderer.
Er lässt sich nicht herbeireden.
Nicht durch Stille allein, nicht durch Dunkelheit.
Er kommt, wenn man aufgehört hat,
auf ihn zu warten.
Wer den Schlaf kennt — wirklich kennt —
weiß, dass es im Leben Momente gibt,
in denen Loslassen keine Entscheidung ist.
Sondern das Einzige, was noch geht.