Schönheit
Schönheit entscheidet selbst, wann sie erscheint.
Nicht in den Momenten, die man vorbereitet —
sondern dort, wo man
nicht mit ihr gerechnet hat.
Sie sitzt manchmal im Unvollkommenen.
In einem Riss, einer Narbe,
einem Gesicht, das Lebenszeit trägt —
und gerade deshalb leuchtet.
Wer Schönheit nur im Makellosen sucht,
findet sie selten.
Sie versteckt sich nicht im Perfekten —
sie wohnt im Wahren.
Sie richtet sich nicht auf das Auge allein.
Manchmal ist es ein Satz,
der trifft —
ein Schweigen, das trägt.
Schönheit ist flüchtig.
Nicht weil sie schwach wäre —
sondern weil sie nur dem gehört,
der gerade hinschaut.
Sie lässt sich nicht konservieren.
Wer sie festhält,
hat nur ihr Abbild —
nicht sie selbst.
Schönheit verlangt Aufmerksamkeit.
Die stille, ungeteilte —
die bereit ist,
von etwas bewegt zu werden.
Wer sie oft findet,
sucht nicht nach Außergewöhnlichem.
Er hat gelernt,
das Gewöhnliche wirklich zu sehen.