Schutzlosigkeit

Schutzlosigkeit lässt alles durch.
Die Haut wird dünner —
nicht im wörtlichen Sinn,
aber so fühlt es sich an.

Was sonst abprallt, trifft.
Ein Wort, ein Blick, eine Kleinigkeit —
und man merkt, dass die Schicht,
die einen sonst schützt, gerade fehlt.

Sie kommt nach Erschöpfung.
Nach Phasen, in denen man zu viel gegeben hat.
Der Körper hat die Reserven verbraucht —
auch die der inneren Abwehr.

Verwundbarkeit trägt sie in sich —
aber Verwundbarkeit kann gewählt sein.
Schutzlosigkeit ist unfreiwillig —
sie passiert, bevor man entschieden hat, ob man sie zulässt.

Manchmal kommt sie nach Vertrauen.
Man hat sich geöffnet —
und die Öffnung blieb,
auch als der Grund dafür verschwand.

Sie macht empfindlicher für alles.
Für Schmerz — aber auch für Schönheit.
Was trifft, trifft tiefer —
in beide Richtungen.

Sie lässt sich nicht überspielen.
Wer so tut als wäre er geschützt,
trägt die Schutzlosigkeit weiter —
nur verborgen, nur anstrengender.

Wer Schutzlosigkeit kennt,
weiß dass sie kein Versagen ist —
sondern der Beweis, dass man
lange genug da war, um sich zu verbrauchen.

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