Schwebezustand
Schwebezustand ist weder hier noch dort.
Man hat losgelassen —
aber noch nicht angefasst,
was als nächstes kommt.
Er entsteht in Übergängen.
Nach einer Entscheidung, die gefallen ist,
aber noch nicht greift.
Zwischen dem Ende von etwas und seinem Nachfolger.
Die Zeit verhält sich anders darin.
Nicht langsamer, nicht schneller —
sie verliert ihre Richtung.
Man wartet, ohne genau zu wissen worauf.
Manchmal ist er unangenehm.
Die Ungewissheit drückt.
Man möchte wissen, ankommen, wissen —
und kann es nicht erzwingen.
Manchmal ist er kostbar.
Eine Pause zwischen zwei Kapiteln,
in der man noch nichts sein muss —
weder das Alte noch das Neue.
Schwebezustand und Zwischenraum sind verwandt —
aber der Zwischenraum ist ein Ort.
Der Schwebezustand ist ein Gefühl —
das Gefühl, keinen festen Boden unter sich zu haben.
Er lässt sich nicht verkürzen durch Ungeduld.
Was schwebt, landet, wenn es so weit ist.
Wer zu früh greift,
greift ins Leere.
Wer Schwebezustand kennt —
den eigenen, den ausgehaltenen —
weiß dass manche der wichtigsten Momente
genau dort liegen, zwischen dem Gewesenen und dem Kommenden.