Schwere

Schwere legt sich an manchen Tagen einfach dazu.
Ohne Ankündigung,
ohne erkennbaren Grund —
und macht alles ein wenig langsamer.

Sie sitzt manchmal im Körper,
bevor der Kopf sie benennt.
In den Schultern, im Gang,
in einem Atem, der nicht ganz ankommt.

Wer Schwere trägt, trägt oft mehr
als das, was gerade ist —
das Ungesagte der letzten Wochen,
die aufgeschobene Erschöpfung.

Sie fordert keine Erklärung.
Manchmal reicht es,
sie anzuerkennen —
ohne sofort etwas dagegen zu tun.

Schwere und Tiefe wohnen nah beieinander.
Wer viel fühlt,
trägt auch viel —
das eine kommt mit dem anderen.

Sie weicht selten dem Willen.
Eher einem langen Ausatmen,
einem Abend ohne Anspruch,
einem Morgen, der einfach beginnt.

Schwere vergeht.
Nicht immer schnell —
aber sie verändert sich,
wenn man aufhört, sie zu bekämpfen.

Wer sie kennt,
weiß auch Leichtigkeit zu schätzen —
weil er den Unterschied
am eigenen Körper kennt.

← Alle Zustände