Schwermut
Schwermut legt sich an.
Nicht als Entscheidung,
nicht als Ereignis —
sondern wie ein Wetter, das bleibt.
Sie zeigt sich selten mit einem Grund.
Manchmal ist der Tag grau,
ohne dass etwas passiert ist —
und das ist Grund genug.
Schwermut trägt mehr als Trauer.
Trauer kennt ihren Anlass.
Schwermut kennt nur sich selbst —
und die Stille, die sie mitbringt.
Sie richtet sich nicht immer gegen das Leben.
Manchmal liebt man es gerade dann am tiefsten,
wenn die Schwermut zeigt,
wie viel davon berührt.
In der Schwermut verlangsamt sich alles.
Nicht unangenehm —
sondern so, als würde die Welt
für einen Moment auf Atem warten.
Sie lässt sich nicht wegheitern.
Eher wie ein Gast,
dem man die Tür öffnet —
weil Widerstand mehr kostet als Einlass.
Schwermut lässt sich nicht beschleunigen.
Sie geht, wenn sie gegangen ist —
und hinterlässt manchmal
eine seltsame Zärtlichkeit.
Sie verändert nicht die Welt.
Aber sie verändert den Blick —
auf das, was zerbrechlich ist,
und gerade deshalb schön.
Wer Schwermut kennt,
kämpft nicht mehr gegen sie.
Er weiß, dass sie auch
ein Zeichen von Tiefe ist.