Seelenschmerz

Seelenschmerz hat keine Wunde, die man zeigen könnte.
Er sitzt tiefer als der Körper reicht —
in einem Ort, für den
die Sprache kaum Worte hat.

Er ist nicht dasselbe wie Trauer.
Trauer weiß, was sie verloren hat.
Seelenschmerz manchmal nicht —
er schmerzt, ohne den Grund benennen zu können.

Er erschöpft anders als körperlicher Schmerz.
Nicht die Muskeln, nicht die Glieder —
sondern das Innerste,
das, was einen zusammenhält.

Manchmal kommt er durch Verlust.
Durch den Tod von jemandem, der nicht ersetzbar ist.
Durch das Ende von etwas,
das mehr war als ein Kapitel.

Manchmal kommt er durch Enttäuschung.
Durch den Verrat von jemandem, dem man vertraute.
Durch die Erkenntnis, dass etwas,
woran man glaubte, nicht war was es schien.

Er lässt sich nicht übergehen.
Wer ihn übergeht, trägt ihn weiter —
in den Körper, in die Stille,
in die Momente, in denen man allein ist.

Er verlangt Raum.
Nicht Ablenkung, nicht Trost, nicht Erklärung —
nur den Mut, ihn auszuhalten,
bis er sich bewegt.

Wer Seelenschmerz kennt —
den echten, den bodenlosen —
weiß dass er zum Leben gehört
wie das Licht, das irgendwann zurückkommt.

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