Sehnsucht
Sehnsucht ist kein Mangel.
Sie entsteht dort,
wo etwas vorstellbar ist,
das noch nicht da ist — oder nie war.
Sie zeigt sich selten klar.
Manchmal als Bild,
manchmal als Gefühl ohne Namen —
das zieht, ohne zu erklären.
Sehnsucht ist nicht dasselbe wie Wunsch.
Ein Wunsch will erfüllt werden.
Sehnsucht trägt sich selbst —
auch ohne Antwort.
Sie richtet sich nicht immer auf etwas Greifbares.
Manchmal auf einen Zustand,
eine Stimmung,
ein Leben, das parallel denkbar wäre.
In der Sehnsucht entsteht eine eigene Bewegung.
Nicht vorwärts, nicht zurück —
sondern in eine Richtung,
die keinen genauen Ort hat.
Sie lässt sich nicht stillen.
Eher wie ein Begleiter,
der nicht geht,
aber auch nicht drängt.
Sehnsucht lässt sich nicht erzwingen.
Sie entsteht von selbst —
in einem Licht, einem Klang,
in einem Moment, der zu viel enthält.
Sie verändert nicht die Wirklichkeit.
Aber sie zeigt,
wohin etwas im Inneren
immer wieder tendiert.
Wer Sehnsucht kennt,
ist nicht unzufrieden.
Er ist wach —
für das, was möglich sein könnte.