Selbstentfremdung
Selbstentfremdung schleicht sich an.
Nicht als Ereignis, nicht als Bruch —
sondern als langsames Abdriften
von dem, was man einmal war.
Man funktioniert.
Die Tage laufen, die Aufgaben werden erledigt.
Aber etwas stimmt nicht —
ein Abstand zwischen einem selbst und dem, was man tut.
Als würde man sich von außen beobachten.
Die eigenen Worte klingen fremd.
Die eigenen Entscheidungen —
als hätte jemand anderes sie getroffen.
Sie entsteht oft durch Anpassung.
Zu lange zu viel gewollt, was andere wollten.
Zu lange die eigene Stimme
unter anderen Stimmen begraben.
Manchmal entsteht sie durch Tempo.
Ein Leben, das zu schnell läuft,
lässt keine Zeit für die Frage,
ob man noch der ist, der es lebt.
Sie zeigt sich in der Stille.
Wenn der Lärm aufhört und man allein ist —
und merkt, dass man dem, der dort sitzt,
nicht mehr ganz vertraut.
Der Weg zurück ist kein Ereignis.
Er besteht aus kleinen Momenten der Ehrlichkeit —
Fragen, die man sich stellt,
und aushält, auch wenn die Antworten unbequem sind.
Wer Selbstentfremdung kennt,
weiß dass der Abstand zu sich selbst
der einsamste aller Abstände ist —
und dass er sich schließen lässt.