Selbstliebe
Selbstliebe ist kein Trend.
Sie ist das Schwierigste —
weil man dem, den man liebt,
nicht entkommen kann.
Sie zeigt sich selten als Gefühl.
Manchmal als eine Entscheidung,
sich nicht schlechter zu behandeln
als man andere behandeln würde.
Selbstliebe ist nicht dasselbe wie Selbstgefälligkeit.
Selbstgefälligkeit sieht keine Fehler.
Selbstliebe sieht sie —
und bleibt trotzdem.
Sie richtet sich nicht immer auf Stärken.
Manchmal ist sie die Zuwendung
zu dem, was schwach ist,
was scheitert, was sich schämt.
In der Selbstliebe entsteht ein Fundament.
Nicht aus Überzeugung —
sondern aus der Bereitschaft,
für sich selbst einzustehen.
Sie lässt sich nicht erzwingen durch Affirmation.
Eher wie ein Nachlassen
des inneren Richters —
der zu lange zu viel gesagt hat.
Selbstliebe lässt sich nicht kaufen.
Sie entsteht, wenn man aufhört,
sich die Zuwendung
erst verdienen zu müssen.
Sie verändert nicht, wer man ist.
Aber sie verändert,
wie man mit dem umgeht,
was man ist.
Wer sich selbst liebt,
ist nicht arrogant.
Er hat nur aufgehört,
sein eigener Feind zu sein.