Selbstvergessenheit
Selbstvergessenheit ist das Gegenteil von Selbstbeobachtung.
Man ist so vollständig bei einer Sache,
dass die Frage, wer man ist
für einen Moment aufgehört hat zu existieren.
Sie kommt durch Vertiefung.
Durch Arbeit, die einen trägt.
Durch ein Gespräch, das einen vergessen lässt,
wie spät es ist.
Der Körper ist noch da —
aber er meldet sich nicht.
Kein Hunger, kein Unbehagen, kein Ziehen.
Alles wartet, während man woanders ist.
Selbstvergessenheit und Zerstreutheit sind verschieden.
Zerstreutheit verliert sich in vielem.
Selbstvergessenheit verliert sich in einem —
vollständig, ohne Rest.
Sie ist ein Geschenk.
In einer Zeit, die Selbstoptimierung fordert,
ist das Vergessen des Selbst
eine der seltensten Erholungen.
Manchmal kommt sie in der Natur.
Wenn ein Weg lang genug ist
und der Kopf aufgehört hat,
Listen zu führen.
Sie lässt sich nicht erzwingen.
Wer das Ich loswerden will, hält es fest.
Sie kommt, wenn man so sehr bei etwas ist,
dass für das Ich kein Platz mehr bleibt.
Wer Selbstvergessenheit kennt,
weiß dass die Momente, in denen man sich verliert,
oft die sind, in denen man
am meisten bei sich ist.