Seligkeit
Seligkeit kommt selten.
Und wenn sie kommt,
weiß man es sofort —
weil alles andere aufhört.
Sie hat keine Ursache, die man benennen könnte.
Oder viele — so viele, dass sie ineinanderließen
und sich zu etwas verdichten,
das größer ist als jeder einzelne Grund.
Freude hat ein Objekt.
Glück hat einen Moment.
Seligkeit hat beides — und braucht es trotzdem nicht.
Sie trägt sich selbst.
Sie zeigt sich im Körper zuerst.
Eine Weite in der Brust.
Ein Nachlassen von etwas,
das man gar nicht bemerkt hatte zu tragen.
Manchmal kommt sie in der Natur.
Wenn Licht und Wind und Stille
sich zu einem Moment zusammenfügen,
der so vollständig ist, dass man nicht einmal denkt.
Manchmal kommt sie durch Menschen.
Durch ein Gefühl von Zugehörigkeit,
das so tief geht,
dass man vergisst, allein zu sein.
Sie lässt sich nicht festhalten.
Wer sie greifen will, greift ins Leere.
Sie bleibt, solange man
aufgehört hat, auf sie zu achten.
Wer Seligkeit kennt —
auch nur einmal, auch nur kurz —
weiß dass das Leben Momente bereithält,
für die es sich lohnt, wach geblieben zu sein.