Sorge
Sorge ist Angst, die wartet.
Sie hat kein Ereignis —
nur eine Möglichkeit,
die sie nicht loslässt.
Sie nistet sich ein.
Nicht laut, nicht fordernd —
aber sie ist immer da,
im Hintergrund jedes Moments.
Sie richtet sich auf andere.
Auf Menschen, die man liebt,
auf Dinge, die man nicht kontrollieren kann —
auf das, was passieren könnte.
Sorge und Angst sind verschieden.
Angst reagiert auf etwas Gegenwärtiges.
Sorge lebt in der Zukunft —
in dem, was noch nicht eingetroffen ist und es vielleicht nie tut.
Sie zeigt, was einem wichtig ist.
Wer sich sorgt, hat etwas zu verlieren.
Wer nichts mehr sorgt,
hat aufgehört zu lieben oder zu hoffen.
Manchmal ist sie berechtigt.
Ein Signal, das gehört werden will —
das auf etwas hinweist,
das Aufmerksamkeit verdient.
Manchmal übertreibt sie.
Sie malt Bilder, die nicht eintreten werden.
Und weiß das selbst —
und malt sie trotzdem.
Wer Sorge kennt —
die stille, die nächtliche —
weiß dass sie oft der Preis ist
für alles, was einem wirklich am Herzen liegt.