Stagnation
Stagnation schleicht sich an.
Man merkt sie selten am ersten Tag —
erst wenn man zurückschaut
und sieht, dass sich nichts bewegt hat.
Sie fühlt sich zunächst wie Ruhe an.
Wie eine Pause, die man sich verdient hat.
Bis man merkt, dass die Pause
länger dauert als geplant.
Der Körper gewöhnt sich an sie.
Das ist das Tückische.
Was sich anfangs eng anfühlte,
wird irgendwann vertraut.
Stagnation und Stillstand sind verschieden.
Stillstand kann bewusst gewählt sein —
ein Innehalten, das Kraft sammelt.
Stagnation passiert, ohne dass man es entschieden hat.
Manchmal steckt Angst dahinter.
Vor dem nächsten Schritt, vor dem Scheitern,
vor dem, was Bewegung von einem verlangen würde —
und was man noch nicht bereit ist zu geben.
Manchmal steckt Erschöpfung dahinter.
Ein System, das pausiert.
Nicht aus Willen —
sondern weil es nicht mehr kann.
Sie löst sich selten durch Druck.
Ein einziges echtes Gespräch kann mehr bewegen
als Monate des Antreibens —
weil sie oft auf etwas sitzt, das gehört werden will.
Wer Stagnation kennt —
die eigene, die zähe —
weiß dass unter ihr fast immer
eine Frage wartet, die noch keine Antwort hat.