Staunen
Staunen ist keine Reaktion auf das Außergewöhnliche.
Es entsteht dort,
wo das Gewöhnliche
plötzlich nicht mehr selbstverständlich ist.
Es zeigt sich selten geplant.
Manchmal in einem Licht,
das auf eine Wand fällt —
und einen Moment lang alles verändert.
Staunen ist nicht dasselbe wie Begeisterung.
Begeisterung will teilen.
Staunen bleibt still —
und braucht keinen Zeugen.
Es richtet sich nicht immer auf Großes.
Manchmal auf ein Geräusch,
eine Bewegung,
ein Detail, das bisher unsichtbar war.
Im Staunen hält die Zeit an.
Nicht weil sie langsamer wird —
sondern weil der Moment
vollständig ist.
Es lässt sich nicht erzeugen.
Eher wie ein Öffnen,
das geschieht,
wenn Erwartung aussetzt.
Staunen lässt sich nicht festhalten.
Es entsteht, wenn Aufmerksamkeit
ohne Absicht
bei etwas landet.
Es verändert nicht die Welt.
Aber es verändert,
wie vertraut
sie noch ist.
Wer staunt,
sieht nicht mehr.
Er sieht anders —
als wäre es das erste Mal.