Sterblichkeit
Sterblichkeit ist die einzige Gewissheit,
die niemand gerne denkt.
Dabei ist sie nicht das Ende des Lebens —
sondern seine schärfste Kontur.
Sie zeigt sich selten angekündigt.
Manchmal in einem Moment,
der plötzlich klar macht:
das hier ist endlich.
Sterblichkeit ist nicht dasselbe wie Tod.
Tod ist ein Ereignis.
Sterblichkeit ist die Bedingung —
unter der alles andere geschieht.
Sie richtet sich nicht immer auf das Ende.
Manchmal macht sie das Jetzt
schwerer und leichter zugleich —
weil es nicht wiederkehrt.
In der Sterblichkeit liegt eine seltsame Freiheit.
Wer weiß, dass Zeit begrenzt ist,
fragt anders —
was wirklich zählt.
Sie lässt sich nicht verdrängen für immer.
Eher wie ein Wissen,
das wartet —
bis man bereit ist, es anzusehen.
Sterblichkeit lässt sich nicht verhandeln.
Aber sie lässt sich bewohnen —
als der Rahmen,
der allem erst Gewicht gibt.
Sie verändert nicht, wie viel Zeit bleibt.
Aber sie verändert,
wie bewusst
man in ihr lebt.
Wer seiner Sterblichkeit begegnet ist,
lebt nicht ängstlicher.
Er lebt genauer —
weil er weiß, was er hat.