Stille

Stille ist kein Schweigen.
Sie entsteht dort,
wo Lärm aufgehört hat —
und etwas anderes beginnt.

Sie kündigt sich selten an.
Oft zeigt sie sich plötzlich:
in einer Pause zwischen zwei Gedanken,
in einem Moment, der nicht weiterdenkt.

Stille ist nicht dasselbe wie Leere.
Leere fehlt etwas.
Stille ist vollständig —
ohne dass etwas hinzukommen muss.

Viele versuchen,
sie herzustellen.
Doch sie entsteht nicht durch Abschalten,
sondern durch Nachlassen.

In der Stille
verliert Dringlichkeit ihren Druck.
Was wichtig schien,
ordnet sich von selbst.

Das ist kein Zustand der Passivität.
Es ist ein Zustand der Aufmerksamkeit,
in dem Wahrnehmung
wieder bei sich selbst ankommt.

Stille löst sich nicht in Gedanken auf.
Sie trägt sie —
ohne von ihnen
bewegt zu werden.

Wer Stille kennt,
sucht sie nicht laut.
Sondern weiß, wo sie wartet —
und wie man sich ihr nähert.

Stille hinterlässt keine Spur.
Aber wer in ihr war, merkt:
etwas hat sich gesetzt,
das vorher trieb.

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