Tatendrang

Tatendrang drängt nach vorne.
Nicht aus Ungeduld, nicht aus Unruhe —
sondern aus einem Überschuss,
der einen Ausweg sucht.

Er kommt aus einem Ja.
Einem Ja zum Moment, zur Aufgabe, zum Leben.
Der Körper hat Energie —
und die Energie hat eine Richtung.

Er zeigt sich im Aufstehen.
In dem Morgen, an dem man nicht zögert.
In der Hand, die schon greift,
bevor der Kopf den Befehl gegeben hat.

Ungeduld treibt von hinten.
Tatendrang zieht nach vorne —
er flieht nicht vor etwas,
er geht auf etwas zu.

Manchmal kommt er nach langer Stille.
Nach einer Phase des Wartens, des Sammelns.
Als hätte etwas in einem
auf den richtigen Moment gewartet.

Manchmal kommt er grundlos.
Ein Morgen, eine Jahreszeit, ein Licht —
und plötzlich will man anfangen,
ohne genau zu wissen womit.

Er lässt sich nicht erzwingen.
Wer sich antreibt ohne inneren Antrieb,
erzeugt Bewegung ohne Richtung —
Aktivität, aber keinen Tatendrang.

Wer Tatendrang kennt —
den echten, den unaufhaltsamen —
weiß dass es Zustände gibt, in denen
das Leben sich anfühlt wie ein offenes Feld.

← Alle Zustände