Trauer
Trauer ist kein Zustand der Schwäche.
Sie entsteht dort,
wo etwas war,
das nicht mehr ist.
Sie zeigt sich selten gleichmäßig.
Manchmal in Wellen,
manchmal in einem einzelnen Moment —
der ohne Vorwarnung kommt.
Trauer ist nicht dasselbe wie Schmerz.
Schmerz will aufhören.
Trauer trägt etwas in sich,
das bleiben darf.
Sie richtet sich nicht immer auf einen Verlust.
Manchmal auf eine Möglichkeit,
die nie eintrat —
auf etwas, das nie war und nie wird.
In der Trauer entsteht eine eigene Zeit.
Langsamer als der Alltag,
schwerer als Erschöpfung —
und dennoch lebendig.
Sie lässt sich nicht überspringen.
Eher wie ein Durchgang,
der sich nicht abkürzen lässt,
nur begehen.
Trauer lässt sich nicht beschleunigen.
Sie entsteht und verändert sich
in ihrem eigenen Tempo —
nicht in dem, das erwartet wird.
Sie verändert nicht,
was verloren ist.
Aber sie verändert den,
der trägt.
Wer trauert,
liebt noch.
Trauer ist nicht das Ende von Bindung —
sondern ihre letzte Form.