Überwältigung
Überwältigung kommt über einen —
der Name trägt es bereits.
Sie übertrifft, was man fassen kann,
und lässt einen einen Moment lang sprachlos.
Sie kennt keine Richtung.
Schönheit kann überwältigen.
Schmerz kann es.
Manchmal beides gleichzeitig, untrennbar.
Der Körper reagiert zuerst.
Ein Stocken, ein Luftholen, ein Zurücktreten —
als bräuchte man Abstand von dem,
was gerade zu groß ist.
Überwältigung und Erschütterung sind verwandt —
aber Erschütterung geht tiefer, dauert länger.
Überwältigung ist der erste Moment —
das Aufprallen von etwas Zu-Großem.
Manchmal kommt sie durch Kunst.
Durch einen Satz, der trifft.
Durch Musik, die den Raum verändert.
Durch ein Bild, das man so nicht erwartet hatte.
Manchmal kommt sie durch das Leben selbst.
Durch einen Moment, der zu viel enthält —
zu viel Glück, zu viel Schmerz,
zu viel Wahrheit auf einmal.
Man kann ihr nicht standhalten durch Haltung.
Wer sich gegen sie stemmt, verliert.
Sie verlangt das Gegenteil —
ein kurzes, vollständiges Nachgeben.
Wer Überwältigung kennt,
weiß dass es Momente gibt, in denen das Leben
größer ist als alles, was man davon dachte —
und dass genau das der Beweis ist, dass es zählt.