Überforderung
Überforderung ist kein Zeichen von Schwäche.
Sie entsteht dort,
wo mehr verlangt wird,
als gerade getragen werden kann.
Sie kündigt sich selten laut an.
Oft zeigt sie sich zuerst im Körper:
im Nacken, im Atem,
in einer Stille, die sich schwer anfühlt.
Überforderung ist nicht dasselbe wie Erschöpfung.
Erschöpfung kommt nach der Arbeit.
Überforderung sitzt davor —
bevor etwas begonnen hat.
Viele versuchen,
sie zu übersehen.
Doch sie verschwindet nicht durch Weiterarbeiten,
sondern wächst unter der Oberfläche weiter.
Im Zustand der Überforderung
verliert Priorität ihre Bedeutung.
Alles wirkt gleich dringend.
Nichts lässt sich ordnen.
Das ist kein Versagen des Willens.
Es ist ein Signal des Systems,
das Kapazität anzeigt —
nicht Charakter.
Überforderung löst sich nicht durch Beschleunigung.
Sie braucht das Gegenteil:
einen Moment, der nichts verlangt.
Nur Raum. Nur Stille.
Wer überfordert ist,
muss nicht weniger wollen.
Sondern lernen, zu unterscheiden,
was jetzt trägt — und was warten kann.
Überforderung ist vorübergehend.
Aber sie hinterlässt etwas:
das Wissen, wo die Grenze liegt —
und dass es richtig ist, sie zu kennen.