Übermut
Übermut ist Energie, die über sich selbst hinausgeht.
Nicht Leichtsinn, nicht Unvorsicht —
sondern das Gefühl, dass in diesem Moment
mehr möglich ist als sonst.
Er kommt aus einem Überschuss.
Aus einem Tag, der gut war.
Aus einem Körper, der sich stark fühlt.
Aus einem Lachen, das nicht aufhören will.
Übermut ist nicht dasselbe wie Mut.
Mut kämpft gegen etwas an.
Übermut braucht keinen Gegner —
er feiert einfach, dass er da ist.
Er macht Dinge möglich, die man nüchtern nicht täte.
Den Sprung ins kalte Wasser.
Das Wort, das man sonst zurückhalten würde.
Den Umweg, der kein Umweg ist — sondern der eigentliche Weg.
Manchmal endet er schlecht.
Das weiß man, wenn man ihn kennt.
Aber das gehört dazu —
er wäre kein Übermut, wenn er immer recht behielte.
Er lässt sich nicht simulieren.
Wer Übermut spielt, wirkt angestrengt.
Der echte kommt von selbst —
leicht, unangekündigt, manchmal zur Unzeit.
Er ist selten im Alter, sagt man.
Aber das stimmt nicht ganz.
Wer ihn kennt, findet ihn wieder —
in anderen Momenten, in anderen Formen.
Wer Übermut kennt,
weiß dass es Zustände gibt, in denen man
mehr ist als die Summe seiner Vorsicht —
und dass genau das manchmal nötig ist.