Unbeschwertheit
Unbeschwertheit ist das Fehlen von Last —
aber nicht als Leere.
Als Weite.
Als hätte man abgelegt, was man so lange getragen hat.
Sie kommt selten auf Bestellung.
Man plant einen unbeschwerten Tag
und bekommt einen anstrengenden.
Sie erscheint, wenn man nicht mehr auf sie wartet.
Der Körper kennt sie sofort.
Die Schultern, die tiefer hängen.
Der Atem, der weiter geht.
Das Gefühl, dass der Boden trägt ohne Mühe.
Unbeschwertheit und Leichtigkeit sind verwandt —
aber Leichtigkeit ist eine Qualität der Bewegung.
Unbeschwertheit ist eine Qualität des Seins —
ein Zustand, der nichts von einem verlangt.
Manchmal gehört ein Ort dazu.
Ein Strand, ein Wald, ein fremdes Land.
Orte, an denen die eigenen Geschichten
einen Moment lang keine Rolle spielen.
Manchmal gehören Menschen dazu.
Solche, bei denen man nichts erklären muss.
Bei denen man einfach so sein kann
wie man ist — ohne Einschränkung, ohne Maske.
Sie lässt sich nicht festhalten.
Wer sie zu sehr beachtet, macht sie schwerer.
Sie bleibt, solange man
vergessen hat, nach ihr zu suchen.
Wer Unbeschwertheit kennt,
weiß dass sie kein Dauerzustand ist —
und gerade deshalb
einer der kostbarsten.