Ungeduld

Ungeduld brennt nach vorne.
Der Moment, in dem man ist,
reicht nicht —
man will schon den nächsten.

Sie zeigt sich im Körper zuerst.
Ein Trommeln, ein Scharren, ein Drang.
Die Hand, die schon greift,
bevor der Kopf entschieden hat.

Sie kommt aus einem Überschuss an Energie —
oder aus Angst.
Beides treibt vorwärts.
Beides verträgt das Warten schlecht.

Ungeduld und Rastlosigkeit sind verwandt —
aber Rastlosigkeit kreist.
Ungeduld hat eine Richtung.
Sie weiß, was sie will — sie will es nur jetzt.

Manchmal ist sie ein Signal.
Dass etwas reif ist, dass etwas wartet,
dass man zu lange gezögert hat —
und der Körper es zuerst weiß.

Manchmal täuscht sie.
Was drängt, muss nicht sofort kommen.
Was brennt, muss nicht sofort gelöscht werden.
Ungeduld kennt keinen Unterschied zwischen dringend und wichtig.

Sie lässt sich nicht wegdenken.
Wer gegen sie ankämpft, verstärkt sie.
Wer ihr nachgibt, bereut es manchmal —
wer sie hält, ohne sie zu leugnen, lernt etwas.

Wer Ungeduld kennt —
die eigene, die brennende —
weiß dass in ihr oft mehr Lebendigkeit steckt
als in aller Geduld der Welt.

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