Ungewissheit

Ungewissheit ist der Normalzustand.
Nur merkt man es meistens erst,
wenn die Gewissheit
plötzlich fehlt.

Sie sitzt im Raum zwischen Frage und Antwort —
manchmal Stunden,
manchmal Jahre.
Manchmal ein Leben lang.

Wer Ungewissheit aushält,
braucht keine falschen Antworten.
Er hat gelernt,
ohne Boden zu stehen.

Sie fordert nichts —
und alles zugleich.
Die Bereitschaft, nicht zu wissen —
und trotzdem weiterzugehen.

Manchmal ist Ungewissheit ein Geschenk.
Was noch offen ist,
kann noch werden —
was feststeht, nicht mehr.

Sie weicht nicht der Planung.
Eher einem tiefen Einverständnis —
dass das Leben
mehr weiß als man selbst.

Ungewissheit trägt eine eigene Freiheit.
Der Ausgang ist offen —
das bedeutet auch:
er ist nicht verloren.

Wer sie kennt und trotzdem handelt,
wartet nicht auf Sicherheit.
Er hat verstanden,
dass sie nicht kommt.

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