Verbundenheit
Verbundenheit spürt man,
bevor man sie benennt.
Ein Moment, in dem etwas zwischen zwei Menschen
aufhört, Abstand zu sein.
Sie entsteht nicht durch Nähe allein.
Man kann nah beieinander sitzen
und weit voneinander entfernt sein.
Verbundenheit braucht etwas anderes — ein Öffnen.
Manchmal entsteht sie durch Worte.
Durch einen Satz, der trifft.
Durch das Gefühl, dass jemand
wirklich gehört hat, was man meinte.
Manchmal entsteht sie durch Schweigen.
Durch ein gemeinsames Sehen.
Durch die Stille zwischen zwei Menschen,
die sich nichts beweisen müssen.
Sie richtet sich nicht immer auf Menschen.
Ein Ort kann sie auslösen.
Ein Text, ein Lied, ein Licht —
das Gefühl, dass etwas einen kennt.
Verbundenheit trägt.
Wer sie kennt, geht anders durch schwierige Zeiten.
Nicht weil die Last kleiner wird —
sondern weil man sie nicht allein trägt.
Sie lässt sich nicht herstellen.
Wer sie erzwingen will, erzeugt Abhängigkeit.
Die echte entsteht im Zwischenraum —
dort, wo beide gleichzeitig loslassen.
Wer Verbundenheit kennt —
die tiefe, die stille, die unerwartete —
weiß dass der Mensch allein
nur die halbe Geschichte ist.