Vergänglichkeit
Vergänglichkeit ist keine Drohung.
Sie ist die Bedingung,
unter der Momente
ihr Gewicht bekommen.
Sie zeigt sich selten im Großen.
Manchmal in einem Licht,
das sich verändert —
und nie wieder ganz so sein wird.
Vergänglichkeit ist nicht dasselbe wie Verlust.
Verlust hat bereits stattgefunden.
Vergänglichkeit ist das Wissen —
bevor er kommt.
Sie richtet sich nicht immer auf das Ende.
Manchmal macht sie das Jetzt
kostbarer —
weil es sich nicht wiederholt.
In der Vergänglichkeit liegt eine Einladung.
Nicht zur Trauer —
sondern zur Aufmerksamkeit,
solange etwas noch da ist.
Sie lässt sich nicht aufhalten.
Eher wie ein Strom,
dem man sich widersetzen kann —
oder in dem man schwimmt.
Vergänglichkeit lässt sich nicht denken
ohne zu fühlen.
Sie trifft tiefer als Vernunft —
weil sie das Eigene einschließt.
Sie verändert nicht, was bleibt.
Aber sie verändert,
wie bewusst man
beim Vorhandenen ist.
Wer Vergänglichkeit aushält,
hält nicht fest.
Er ist einfach da —
solange es noch möglich ist.