Vergebung
Vergebung ist kein Freispruch.
Sie entsteht dort,
wo das Festhalten
mehr kostet als das Loslassen.
Sie zeigt sich selten als Entschluss.
Manchmal als eine Erschöpfung
des Grolls —
die stiller wird, ohne es zu wollen.
Vergebung ist nicht dasselbe wie Vergessen.
Was war, bleibt.
Vergebung verändert nicht die Vergangenheit —
sondern den Griff, den sie hat.
Sie richtet sich nicht immer auf andere.
Manchmal ist es das Eigene,
dem vergeben werden muss:
einem Fehler, einer Entscheidung, einem Versäumnis.
In der Vergebung entsteht Bewegung.
Was gebunden war,
löst sich nicht auf —
aber es zieht nicht mehr so stark.
Sie lässt sich nicht erzwingen.
Eher wie ein Nachlassen,
das kommt,
wenn der Widerstand müde wird.
Vergebung lässt sich nicht terminieren.
Sie entsteht in ihrem eigenen Tempo —
nicht wenn es erwartet wird,
sondern wenn es möglich ist.
Sie verändert nicht, was geschah.
Aber sie verändert,
wieviel Raum es
im Jetzt noch einnimmt.
Wer vergibt,
tut es nicht für den anderen.
Sondern damit das Eigene
wieder atmen kann.