Vergessen

Vergessen geschieht ohne Erlaubnis.
Es nimmt, was es will —
und lässt zurück,
was man manchmal lieber losgehabt hätte.

Es zeigt sich selten als Entscheidung.
Öfter als ein langsames Verblassen —
das man erst bemerkt,
wenn die Konturen verschwommen sind.

Vergessen ist nicht dasselbe wie Verdrängen.
Verdrängen weiß, was es tut.
Vergessen weiß es nicht —
und lässt deshalb manchmal das Falsche gehen.

Es richtet sich nicht immer gegen Schmerz.
Manchmal vergisst man das Schöne —
einen Klang, ein Licht, ein Gesicht,
das man behalten wollte.

Im Vergessen liegt eine stille Gnade.
Was unerträglich war,
verliert mit der Zeit
seine schärfsten Kanten.

Es lässt sich nicht steuern.
Eher wie ein Fluss,
der trägt was er trägt —
und abgibt, was er nicht halten kann.

Vergessen verändert nicht, was war.
Aber es verändert,
wie viel Raum es noch einnimmt —
im Jetzt.

Wer vergessen hat,
hat nicht verloren.
Manchmal hat er nur Platz gemacht —
für das, was noch kommt.

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