Verlegenheit
Verlegenheit rötet sich.
Sie kommt schneller als jeder Gedanke —
der Körper hat bereits reagiert,
bevor man entschieden hat, wie.
Sie entsteht im Blick anderer.
In dem Moment, wo man gesehen wird —
anders als man wollte,
unvorbereitet, ungeschützt.
Ein Kompliment kann sie auslösen.
Ein unerwartetes Lob, ein Blick der hält.
Nicht nur Peinliches bringt einen in Verlegenheit —
manchmal reicht es, zu viel gesehen zu werden.
Sie ist kein Zeichen von Schwäche.
Wer sich nicht verlegen fühlen kann,
hat sich so weit geschützt,
dass nichts mehr durchkommt.
Sie dauert selten lang.
Die Wärme im Gesicht verebbt,
der Moment zieht vorbei —
aber die Erinnerung daran bleibt länger.
Manchmal verbindet sie.
Zwei Menschen, die sich gleichzeitig verlegen ansehen —
und beide wissen, dass gerade etwas Echtes
zwischen ihnen passiert ist.
Sie lässt sich nicht spielen.
Gespielte Verlegenheit ist Koketterie.
Die echte kommt ungefragt —
und verrät mehr, als man preisgeben wollte.
Wer Verlegenheit kennt —
die eigene, die unbeherrschbare —
weiß dass sie der Beweis ist,
dass man noch berührbar ist.