Verlust

Verlust ist kein Ereignis.
Er entsteht dort,
wo etwas war —
und die Stelle bleibt.

Er zeigt sich selten sofort.
Manchmal erst Tage später,
in einer Gewohnheit,
die ins Leere greift.

Verlust ist nicht dasselbe wie Trauer.
Trauer bewegt sich.
Verlust ist die Tatsache —
die bleibt, wenn Trauer geht.

Er richtet sich nicht immer auf Menschen.
Manchmal auf eine Zeit,
eine Möglichkeit,
eine Version des eigenen Lebens.

Im Verlust entsteht eine neue Geographie.
Was vertraut war,
hat sich verschoben —
ohne Ankündigung.

Er lässt sich nicht ungeschehen machen.
Eher wie ein Abdruck,
der zeigt,
was einmal da war.

Verlust lässt sich nicht überwinden.
Er entsteht, wenn etwas endet —
und man lernt,
mit der veränderten Form zu leben.

Er verändert nicht zurück,
was gegangen ist.
Aber er verändert,
wer man ohne es ist.

Wer verloren hat,
weiß, was es bedeutet,
dass etwas
wirklich da war.

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