Versagen
Versagen hinterlässt eine bestimmte Stille.
Nicht die ruhige —
sondern eine, in der man hört,
was man sich selbst sagt.
Es zeigt sich selten nur im Ergebnis.
Manchmal in einem Blick,
den man vermeidet —
dem eigenen.
Versagen ist nicht dasselbe wie Scheitern.
Scheitern ist ein Ereignis.
Versagen ist die Bewertung —
die man selbst vornimmt.
Es richtet sich nicht immer auf Großes.
Manchmal ist es ein Moment,
eine Reaktion, ein Wort —
das nicht so kam, wie es hätte kommen sollen.
Im Versagen liegt eine Zumutung.
Nicht die des Ereignisses —
sondern die des Maßstabs,
der es erst zum Versagen macht.
Es lässt sich nicht wegargumentieren.
Eher wie ein Urteil,
das wartet —
bis man bereit ist, es zu befragen.
Versagen lässt sich nicht ungeschehen machen.
Aber es lässt sich einordnen —
in das, was man wollte,
was möglich war, was gelernt wurde.
Es verändert nicht, was war.
Aber es verändert,
wessen Stimme man
beim nächsten Mal hört.
Wer mit Versagen umgehen kann,
hat nicht weniger Anspruch.
Er hat gelernt,
dass Anspruch und Würde sich nicht ausschließen.