Verwundbarkeit

Verwundbarkeit zeigt sich dort,
wo Schutz aufgehört hat —
nicht weil er versagt hat,
sondern weil man ihn abgelegt hat.

Sie kommt selten gelegen.
Manchmal mitten in einem Gespräch,
das plötzlich tiefer geht
als man geplant hatte.

Wer verwundbar ist, ist nicht schwach.
Er hat sich entschieden,
das Eigene zu zeigen —
ohne zu wissen, wie es aufgenommen wird.

Sie richtet sich nicht immer auf andere.
Manchmal ist man verwundbar
gegenüber dem eigenen Leben —
gegenüber dem, was es einem abverlangt.

In der Verwundbarkeit entsteht Echtheit.
Was geschützt ist, bleibt unsichtbar.
Was sich zeigt,
kann berührt werden — und berühren.

Sie lässt sich nicht vortäuschen.
Echte Verwundbarkeit kostet etwas —
die Kontrolle darüber,
wie man gesehen wird.

Verwundbarkeit ist die Voraussetzung
für alles, was wirklich verbindet.
Wer sich nie zeigt,
wird nie wirklich gefunden.

Wer sie kennt und trotzdem geht,
hat nicht Angst verloren —
er hat entschieden,
dass Verbindung wichtiger ist.

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