Verzweiflung

Verzweiflung ist das Ende der Optionen —
so fühlt sie sich an.
Nicht das tatsächliche Ende,
aber das gefühlte, das zählt.

Sie kommt, wenn man zu lange
gegen etwas angearbeitet hat,
das sich nicht bewegt.
Irgendwann gibt die Kraft nach — und sie tritt ein.

Der Körper trägt sie schwer.
Eine Bleiheit in den Gliedern.
Ein Engegefühl, das nicht nachlässt.
Die Unfähigkeit, den nächsten Schritt zu sehen.

Verzweiflung und Trauer sind verschieden.
Trauer weiß, was sie verloren hat.
Verzweiflung weiß es manchmal nicht —
sie weiß nur, dass kein Weg mehr offen scheint.

Sie lügt manchmal.
Sie zeigt eine Welt ohne Ausweg —
und diese Welt existiert nicht.
Aber in ihr zu stehen fühlt sich absolut an.

Wer in ihr ist, braucht keinen Rat.
Keine Liste von Möglichkeiten,
keine Versicherung dass es besser wird —
sondern jemanden, der bleibt.

Sie geht vorbei.
Fast immer — auch wenn sie es nicht glauben lässt.
Was auf der anderen Seite wartet,
ist selten dasselbe wie vorher. Aber es ist.

Wer Verzweiflung kennt —
die eigene, die bodenlose —
weiß dass man aus ihr herauskommt,
ohne zu wissen wie. Und dass das reicht.

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