Vorfreude
Vorfreude lebt im Noch-Nicht.
Sie nährt sich von dem, was kommt —
und braucht dafür nur eines:
die Gewissheit, dass es kommt.
Sie verändert die Gegenwart.
Ein gewöhnlicher Dienstag
bekommt ein anderes Gewicht,
wenn man weiß, was am Wochenende wartet.
Manchmal ist sie intensiver als das Ereignis selbst.
Der Abend davor, der Morgen davor —
alles noch offen, alles noch möglich,
nichts noch verbraucht.
Vorfreude und Erwartung sind verschieden.
Erwartung fordert — sie hat ein Bild,
das erfüllt werden will.
Vorfreude lässt offen. Sie genießt das Offene.
Sie zeigt sich in kleinen Gesten.
In dem, worüber man spricht, ohne gefragt zu werden.
In dem Lächeln, das kommt,
wenn man nur daran denkt.
Sie trägt durch schwierige Tage.
Ein Licht am Ende einer langen Woche.
Nicht weil das Schwere kleiner wird —
sondern weil es einen Horizont gibt.
Sie lässt sich nicht erzwingen.
Wer nichts erwartet, hat nichts worauf.
Aber wer sich erlaubt, sich zu freuen —
bevor es soweit ist — lebt doppelt.
Wer Vorfreude kennt,
weiß dass das Beste an manchen Dingen
der Weg dorthin ist —
und dass das Ankommen nur der Abschluss.