Wachheit
Wachheit ist kein Gegenteil des Schlafs.
Sie ist ein Zustand für sich —
schärfer als Bewusstsein,
stiller als Aufmerksamkeit.
Sie kommt ungerufen.
Manchmal um drei Uhr nachts,
wenn alles schläft
und man plötzlich hellwach ist — ohne Grund.
Wachheit ist nicht dasselbe wie Wachsein.
Wachsein ist der normale Zustand des Tages.
Wachheit ist das Aufflackern dahinter —
das Gefühl, wirklich da zu sein.
Sie macht die Dinge präziser.
Konturen schärfer, Geräusche näher.
Als hätte jemand einen Filter entfernt,
den man gar nicht bemerkt hatte.
Manchmal ist sie angenehm.
Ein Morgen, an dem man vor dem Wecker aufwacht
und schon fertig ist mit dem Schlafen.
Bereit, bevor der Tag beginnt.
Manchmal ist sie Last.
Der Kopf dreht, der Körper liegt still.
Man möchte schlafen — und kann nicht.
Die Wachheit hält fest, was man loslassen wollte.
Sie lässt sich nicht dimmen.
Wer wach ist in diesem Sinne,
bleibt es — bis sie von selbst nachlässt.
Bis etwas in ihr erschöpft ist.
Wer Wachheit kennt —
die echte, die ungebetene —
weiß, dass Bewusstsein kein Segen ist.
Nur manchmal.