Wachstum
Wachstum kündigt sich selten an.
Oft merkt man es erst rückwärts —
an dem, was man heute trägt,
was gestern noch zu schwer war.
Es zeigt sich selten als Fortschritt.
Manchmal als ein Verlust —
einer Gewissheit, einer Haltung,
die nicht mehr stimmt.
Wachstum trägt mehr als Entwicklung.
Entwicklung folgt einem Plan.
Wachstum geschieht —
auch wenn niemand es vorgesehen hat.
Es richtet sich nicht immer nach oben.
Manchmal wächst man tiefer —
in das, was man ist,
statt über das hinaus, was man war.
In echtem Wachstum liegt Unbehagen.
Weil das Alte noch vertraut ist —
und das Neue
noch keinen Namen hat.
Es lässt sich nicht beschleunigen durch Willen.
Eher wie eine Wurzel,
die Zeit braucht —
bevor sie trägt.
Wachstum geschieht nicht im Komfort.
Es geschieht an der Grenze —
dort, wo etwas endet
und noch nichts begonnen hat.
Wer wächst,
verliert immer auch etwas.
Eine Version von sich,
die nicht mehr passt.