Wahrhaftigkeit
Wahrhaftigkeit beginnt nicht mit Worten.
Sie beginnt in dem Moment,
in dem man aufhört,
sich selbst etwas vorzumachen.
Sie zeigt sich selten bequem.
Manchmal als ein Unbehagen —
das entsteht, wenn das Gesagte
und das Gemeinte auseinanderfallen.
Wahrhaftigkeit ist nicht dasselbe wie Offenheit.
Offenheit teilt mit.
Wahrhaftigkeit geht tiefer —
sie verlangt zuerst Ehrlichkeit mit sich selbst.
Sie richtet sich nicht immer nach außen.
Der schwierigste Moment der Wahrhaftigkeit
ist der innere —
wenn man weiß, was wahr ist, und es nicht sagen will.
Wahrhaftigkeit kostet.
Manchmal eine Beziehung,
manchmal ein Bild von sich selbst —
das angenehmer war als die Wirklichkeit.
Sie lässt sich nicht halbieren.
Wer nur dann wahrhaftig ist,
wenn es nichts kostet,
kennt sie noch nicht wirklich.
Wahrhaftigkeit entsteht nicht durch Mut allein.
Sie braucht auch Stille —
den Raum, in dem man hört,
was wirklich wahr ist.
Wer wahrhaftig lebt,
ist nicht immer beliebt.
Aber er ist erkennbar —
für sich selbst und für andere.