Weltschmerz

Weltschmerz ist zu groß für einen allein.
Er kommt, wenn man aufgehört hat,
die Nachrichten wegzuschieben —
und sie wirklich landen lässt.

Er entsteht aus Empathie, die keine Grenzen zieht.
Aus dem Unvermögen, sich abzuschotten
von dem, was draußen geschieht —
als wäre es das eigene.

Er hat eine lange Geschichte.
Jean Paul hat ihn benannt,
aber gespürt haben ihn Menschen
solange es Menschen gibt, die fühlen.

Pessimismus schaut auf die Welt und wendet sich ab.
Weltschmerz schaut — und bleibt.
Er erträgt das Sehen,
auch wenn es schmerzt.

Manchmal kommt er durch ein einzelnes Bild.
Durch eine Geschichte, die einen nicht loslässt.
Durch das Gesicht von jemandem,
dem man nicht helfen konnte.

Manchmal kommt er diffus.
Ein Gewicht ohne Quelle —
das Gefühl, dass die Welt
mehr Schmerz enthält als Schönheit.

Er lässt sich nicht wegargumentieren.
Wer sagt, man solle sich nicht so viel zu Herzen nehmen,
hat ihn nicht verstanden —
er kommt gerade daher, dass man es tut.

Wer Weltschmerz kennt,
trägt eine Empfindlichkeit in sich,
die ihn verletzbar macht —
und die die Welt dringend braucht.

← Alle Zustände