Wiederkehr
Wiederkehr überrascht — auch wenn man sie kannte.
Ein Geruch, ein Licht, ein Klang —
und plötzlich ist etwas wieder da,
das man für vergangen hielt.
Sie trägt immer zwei Zeiten in sich.
Das Damals und das Jetzt,
übereinandergelegt —
für einen Moment untrennbar.
Manchmal kehrt ein Gefühl wieder.
Eine Leichtigkeit, die man kannte.
Ein Vertrauen, das zwischenzeitlich fehlte.
Man erkennt es sofort — wie ein altes Gesicht.
Manchmal kehrt ein Schmerz wieder.
Den man für überwunden hielt.
Der sich meldet, ohne zu fragen —
und zeigt, dass manche Dinge nur warten, nicht vergehen.
Wiederkehr und Erinnerung sind verschieden.
Erinnerung sucht man auf.
Wiederkehr kommt von selbst —
ungerufen, unangekündigt, bestimmt.
Sie verändert den Blick auf das Vergangene.
Was zurückkehrt, war offenbar nie ganz weg.
Es hatte nur keinen Platz —
und findet ihn jetzt.
Sie lässt sich nicht planen.
Wer auf Wiederkehr wartet, wartet vergeblich.
Sie kommt, wenn sie kommt —
und meistens zur Unzeit, und meistens richtig.
Wer Wiederkehr kennt,
weiß dass das Leben keine gerade Linie ist —
sondern sich wiederholt, variiert, zurückbiegt
zu dem, was noch nicht fertig ist.