Würde
Würde ist kein Titel.
Sie entsteht dort,
wo jemand sich selbst treu bleibt —
auch wenn es kostet.
Sie zeigt sich selten laut.
Manchmal in einer Haltung,
die keinen Beifall sucht —
und ihn auch nicht braucht.
Würde ist nicht dasselbe wie Stolz.
Stolz braucht Bestätigung.
Würde trägt sich selbst —
unabhängig vom Urteil anderer.
Sie richtet sich nicht immer nach außen.
Manchmal ist es die Würde
im Umgang mit sich selbst —
in dem, was man sich erlaubt und was nicht.
In der Würde entsteht eine Grenze.
Nicht als Mauer —
sondern als stilles Wissen,
wo das Eigene endet.
Sie lässt sich nicht verleihen.
Eher wie ein Kern,
der bleibt —
auch wenn vieles drum herum bricht.
Würde lässt sich nicht erzwingen.
Sie entsteht, wenn jemand
aufgehört hat,
sich kleiner zu machen als er ist.
Sie verändert nicht die Umstände.
Aber sie verändert,
wie man sich
in ihnen bewegt.
Wer Würde kennt,
verhandelt nicht über alles.
Er weiß, was nicht zur Disposition steht —
und hält daran fest.