Wut

Wut meldet sich ohne Ankündigung.
Sie kommt, wenn eine Grenze
überschritten wurde —
und der Körper es zuerst weiß.

Sie zeigt sich selten nur als Ausbruch.
Manchmal als Stille,
die sich zusammenzieht —
bevor sie irgendwann bricht.

Wut ist nicht dasselbe wie Aggression.
Aggression will treffen.
Wut will gehört werden —
und weiß oft nicht wie.

Sie richtet sich nicht immer nach außen.
Manchmal ist sie nach innen gekehrt —
als Erschöpfung, als Rückzug,
als Stummheit, die sich festsetzt.

In der Wut steckt Energie.
Mehr als in jedem anderen Zustand —
die Frage ist nur,
wohin sie fließt.

Sie lässt sich nicht wegdenken.
Eher wie ein Feuer,
das brennt,
solange der Grund noch glüht.

Wut lässt sich nicht verbieten.
Aber sie lässt sich verstehen —
was sie schützen will,
was sie vermisst, was sie fordert.

Sie verändert nicht, was sie ausgelöst hat.
Aber sie zeigt,
wo etwas
nicht mehr hingenommen wird.

Wer seine Wut kennt,
fürchtet sie weniger.
Er weiß, was in ihr steckt —
und was sie eigentlich sagen will.

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