Zeitlosigkeit
Zeitlosigkeit beschleicht einen leise.
Plötzlich weiß man nicht mehr,
wie lange man schon hier sitzt —
und es spielt keine Rolle.
Sie kommt in Momenten vollständiger Gegenwart.
Wenn nichts wartet,
nichts drängt —
und der Augenblick sich selbst genügt.
Wer zeitlos ist, hat die Uhr nicht vergessen.
Er hat aufgehört,
nach ihr zu sehen —
weil etwas anderes wichtiger wurde.
Sie richtet sich nicht auf Ewigkeit.
Manchmal dauert sie nur Minuten —
die sich anfühlen
wie ein eigenes Leben.
In der Zeitlosigkeit fällt Dringlichkeit ab.
Was bis eben noch wartete,
hat seinen Druck verloren —
ohne dass sich etwas geändert hätte.
Sie lässt sich nicht herbeiführen durch Planung.
Eher durch Hingabe —
an das, was gerade so vollständig ist,
dass Zeit überflüssig wird.
Zeitlosigkeit hinterlässt eine Stille.
Die eines Moments, der genug war —
ohne Anfang und Ende,
nur Mitte.
Wer sie kennt,
misst das Leben anders.
Nicht in Stunden —
sondern in Momenten, die trugen.