Zerbrechlichkeit

Zerbrechlichkeit ist keine Fehlfunktion.
Sie ist der Beweis,
dass etwas wirklich da ist —
und dass es zählt.

Was unberührbar ist, kann nicht brechen.
Was bricht,
war nah genug,
um getroffen zu werden.

Wer seine Zerbrechlichkeit kennt,
schützt sich nicht durch Rückzug.
Er wählt, was nah genug ist —
um das Risiko wert zu sein.

Sie zeigt sich in den unerwarteten Momenten.
Ein Lied, ein Licht,
ein Satz, der trifft —
bevor man sich schützen konnte.

Zerbrechlichkeit und Stärke schließen sich nicht aus.
Manchmal ist das Zerbrechlichste
das Standhafteste —
weil es sich nicht verbiegt.

Sie lässt sich nicht wegtrainieren.
Wer es versucht,
verliert nicht die Schwäche —
sondern die Fähigkeit, berührt zu werden.

Zerbrechlichkeit braucht keinen Schutz durch Härte.
Sie braucht Räume,
in denen sie sein darf —
ohne sofort geheilt werden zu müssen.

Wer sie annimmt,
lebt nicht vorsichtiger.
Er lebt echter —
weil er nichts mehr versteckt.

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