Zerfahrenheit

Zerfahrenheit verteilt einen ohne Rest.
Nicht auf zwei Dinge, nicht auf drei —
auf alles gleichzeitig,
und keines davon vollständig.

Der Gedanke beginnt und bricht ab.
Die Aufgabe wird angefangen und liegen gelassen.
Der Satz verliert sich in der Mitte —
und man weiß nicht mehr, wie er enden sollte.

Sie fühlt sich anders an als Zerstreutheit.
Zerstreutheit schwebt, ist leicht, fast angenehm.
Zerfahrenheit ist unruhiger, drängender —
als würden zu viele Stimmen gleichzeitig sprechen.

Sie entsteht oft unter Druck.
Wenn zu viel wartet, zu viel fordert,
zu viel gleichzeitig Aufmerksamkeit verlangt —
und der Geist aufhört zu priorisieren.

Manchmal steckt Angst dahinter.
Die Angst, etwas zu verpassen, zu vergessen, zu versagen.
Der Versuch, überall zu sein —
der dazu führt, nirgendwo wirklich da zu sein.

Sie lässt sich nicht durch mehr Tempo lösen.
Wer schneller werden will, wird zerfahrener.
Was hilft, ist das Gegenteil —
ein Punkt, an dem man anhält, atmet, neu beginnt.

Eine einzige Aufgabe kann sie brechen.
Nicht die wichtigste, nicht die dringendste —
einfach eine, die man zu Ende bringt.
Der Abschluss gibt zurück, was die Zerfahrenheit genommen hat.

Wer Zerfahrenheit kennt,
weiß dass der Geist manchmal streikt —
nicht aus Schwäche,
sondern weil er zu lange zu viel war.

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