Zweisamkeit
Zweisamkeit braucht keine besonderen Umstände.
Sie entsteht in dem Moment,
in dem zwei Menschen
denselben Raum wirklich teilen.
Sie zeigt sich selten in großen Gesten.
Manchmal in einem Abend,
der nichts vorhat —
und gerade deshalb trägt.
Zweisamkeit ist nicht dasselbe wie Zusammensein.
Zusammensein ist Anwesenheit.
Zweisamkeit ist,
wenn Anwesenheit genug ist.
Sie richtet sich nicht auf Vollkommenheit.
Manchmal entsteht sie gerade dort,
wo nichts erklärt,
nichts geleistet werden muss.
In der Zweisamkeit verliert Zeit ihren Druck.
Was gesagt wird, hat Gewicht.
Was nicht gesagt wird,
auch.
Sie lässt sich nicht herstellen.
Eher wie ein Zustand,
der sich einstellt —
wenn beide aufgehört haben zu spielen.
Zweisamkeit lässt sich nicht einfordern.
Sie entsteht, wenn zwei Menschen
bereit sind, gesehen zu werden —
und den anderen wirklich sehen.
Sie verändert nicht, wer man ist.
Aber sie zeigt,
wer man sein kann —
wenn jemand wirklich da ist.
Wer Zweisamkeit kennt,
sucht keine Gesellschaft.
Er sucht den einen Moment,
in dem nichts fehlt.