Abstrakte geometrische Szene aus Kreis, Block und Bogen in tiefem Petrol, dunklem Burgunder und warmem Orange; feiner, aufsteigender Rauch bildet weiche Linien zwischen den Formen, Atmosphäre im Ombra-Celeste-Stil.

Rituale, die sich selbst erschaffen – ohne unser Zutun.

Ombra Celeste Magazin


Manche Rituale entstehen nicht aus einer Wahl, sondern aus einer Notwendigkeit, die niemand ausgesprochen hat.

Der Nacken

Am Bahnsteig, zwischen zwei Ankündigungen einer Verspätung, wandert die rechte Hand nach oben, greift in den Nacken, knetet dort für ein paar Sekunden eine Stelle unterhalb des Haaransatzes, lässt wieder los, greift erneut, in einem Rhythmus, der sich nicht bewusst vorgenommen wurde. Es gibt keinen Anlass für diese Bewegung, keine tatsächliche Verspannung, die behandelt werden müsste, nur die Wartezeit selbst, die sich in dieser einen, kleinen Geste ihren Ausdruck sucht.

Dieselbe Bewegung taucht in der Schlange an der Supermarktkasse auf, während der Blick auf das Förderband gerichtet ist und die Person davor ihre Einkäufe noch sortiert. Sie taucht auf, wenn ein Telefonat in der Warteschleife hängt, eine Computerstimme in gleichmäßigen Abständen wiederholt, dass alle Mitarbeiter im Moment im Gespräch seien. Immer dieselbe Stelle, immer derselbe leichte Druck, immer dieselbe rechte Hand, nie die linke.

Es lässt sich kein erster Moment benennen, in dem diese Geste begann. Sie war irgendwann einfach da, vermutlich schon seit Jahren, unauffällig genug, um nie aufzufallen, bis ein Bekannter sie einmal beiläufig kommentierte, mit der Bemerkung, man knete sich ja ständig den Nacken, ob man Schmerzen habe. Die ehrliche Antwort darauf lautete nein, was die Frage selbst erst recht interessant machte.

Manche Bewegungen entstehen nicht aus Schmerz, sondern aus der schieren Notwendigkeit, die Zeit irgendwie zu besetzen.

Diese Geste hat keine erkennbare Funktion im medizinischen Sinn. Sie löst keine echte Verspannung, weil selten eine vorhanden ist, sie dehnt keinen Muskel in einem therapeutisch sinnvollen Winkel, sie folgt keiner Anleitung, die irgendwann einmal gelernt worden wäre. Und doch kehrt sie zuverlässig zurück, jedes Mal, wenn eine Situation entsteht, in der nichts anderes zu tun bleibt als zu warten, wenn die Zeit sich ausdehnt, ohne dass eine Handlung sie ausfüllen würde.

Was diese Bewegung auszeichnet, ist ihre enge Bindung an einen ganz bestimmten Zustand, nicht an einen Ort. Sie erscheint am Bahnsteig ebenso wie im Wartezimmer, in der Schlange ebenso wie am Telefon, an völlig unterschiedlichen Orten, die nichts gemeinsam haben außer diesem einen Merkmal: Zeit, die nicht gestaltet werden kann, die einfach vergehen muss, bevor irgendetwas Nächstes beginnt.

Am Ende eines solchen Wartens, wenn der Zug einfährt, die Kassiererin endlich frei wird, die Stimme in der Leitung tatsächlich eine Person ist, hört die Bewegung auf, so unvermittelt, wie sie begonnen hat, und die Hand sinkt zurück, ohne dass sich jemals ein Gedanke daran geknüpft hätte, was sie in den vergangenen Minuten eigentlich getan hat.

Was bei genauerem Hinsehen aber auffällt, ist die Feinabstimmung dieser Bewegung auf die jeweilige Situation. Am Bahnsteig, wo niemand in unmittelbarer Nähe steht, fällt der Griff etwas fester aus, ausgiebiger, fast ungeniert. In der engen Schlange an der Kasse dagegen, mit fremden Menschen im Rücken, wird dieselbe Bewegung kleiner, zurückhaltender, kaum mehr als ein kurzes Streichen, als hätte sich die Geste selbst an die soziale Dichte des jeweiligen Ortes angepasst, ohne dass diese Anpassung je bewusst gesteuert würde.

Diese situative Feinjustierung lässt sich nicht mit reiner Gewohnheit erklären. Eine reine Wiederholung wäre an jedem Ort identisch, unabhängig davon, wer in der Nähe steht. Was hier stattfindet, ist etwas Komplexeres, ein ständiger, kaum merklicher Abgleich zwischen der Bewegung selbst und dem sozialen Raum, in dem sie ausgeführt wird, so als würde ein Teil der Aufmerksamkeit permanent im Hintergrund mitlaufen, ohne dass er je in den Vordergrund träte.

Wenn die Hände nicht frei sind

An einem Umzugstag vor einigen Jahren, an dem beide Hände über Stunden hinweg mit Kartons beschäftigt waren, zeigte sich zum ersten Mal, wie sehr diese kleine Geste tatsächlich gebraucht wurde. In einer langen Schlange vor dem Fahrstuhl des neuen Hauses, jeder Nachbar mit eigenen Möbeln unterwegs, blieb keine Hand frei, um zum Nacken zu greifen, während die Wartezeit sich über zwanzig Minuten hinzog, Karton auf Karton in den Armen.

Was in dieser Situation entstand, war ein Unbehagen, das sich deutlich von der sonst eher neutralen, fast beiläufigen Wartestimmung unterschied. Es war keine Ungeduld über die Dauer selbst, denn zwanzig Minuten waren an sich nichts Ungewöhnliches, sondern etwas Diffuseres, eine Art körperlicher Unruhe, die sich nicht lokalisieren ließ, weil ihr gewohnter Ausgang blockiert war.

Dieses Gefühl, das sich damals zum ersten Mal deutlich bemerkbar machte, ließ sich später mit ähnlichen Momenten verknüpfen, etwa jenem Nachmittag in einer Warteschlange vor einem Copyshop, die Arme voller Ordner, die kurz vor Schließung noch kopiert werden mussten. Auch dort, dieselbe blockierte Bewegung, dasselbe unbestimmte Gefühl, dass die Wartezeit sich anders anfühlte als sonst, obwohl objektiv nichts Schlimmeres geschah als ein paar zusätzliche Minuten Stehen.

Eine blockierte Gewohnheit macht sich oft erst durch ihr eigenes Fehlen bemerkbar.

Diese Beobachtung wirft ein interessantes Licht auf das, was in solchen Wartephasen tatsächlich geschieht. Es scheint weniger um die konkrete Handlung am Nacken selbst zu gehen als um das grundsätzliche Bedürfnis, in einer inhaltlich leeren Zeitspanne überhaupt etwas mit den Händen zu tun, eine Art körperlicher Platzhalter, der die Lücke zwischen zwei Handlungen ausfüllt, unabhängig davon, welche konkrete Form er annimmt.

Diese Art von körperlicher Ausfüllung eines ansonsten leeren Moments findet sich auch in der Beschreibung, wie in Stille Gespräche – Ein Licht, das bleibt Zwischenräume nicht als Leerstellen, sondern als eigene, gestaltbare Momente verstanden werden, auch wenn dort ein anderes, bewusst gewähltes Ritual im Mittelpunkt steht.

Am Umzugstag selbst löste sich das Unbehagen erst, als der Fahrstuhl endlich kam und die Kartons abgestellt werden konnten. In diesem Moment griff die Hand fast reflexhaft nach dem Nacken, mit einer Intensität, die deutlich über das gewohnte, beiläufige Maß hinausging, als müsste ein über Minuten aufgestauter Bedarf in wenigen Sekunden nachgeholt werden.

Diese Nachholbewegung war so auffällig, dass sie sogar von einem Nachbarn kommentiert wurde, der scherzhaft fragte, ob die Kartons besonders schwer gewesen seien. Auch hier lautete die ehrliche Antwort nein, was wiederum bestätigte, dass es nie um die tatsächliche körperliche Belastung ging, sondern um etwas, das sich eher im Bereich der reinen Zeitwahrnehmung abspielte, unabhängig vom Gewicht dessen, was gerade getragen wurde.

Im Rückblick lässt sich dieser eine Umzugstag als eine Art Bruchstelle betrachten, ein Moment, in dem zum ersten Mal deutlich sichtbar wurde, dass die gewohnte Bewegung eine echte Funktion erfüllte, die sich nicht einfach durch bloßes Aushalten ersetzen ließ. Genau aus dieser Bruchstelle heraus, aus dem Fehlen selbst, begann sich in den folgenden Wochen etwas Neues zu formen.

Eine andere Bewegung entsteht

Nach diesem einen Umzugstag begann sich, ohne dass es geplant gewesen wäre, eine zweite, unabhängige Bewegung zu entwickeln, für genau jene Situationen, in denen die Hände blockiert waren. Beim Tragen schwerer Gegenstände begannen die Zehen in den Schuhen zu arbeiten, ein leichtes Anspannen und Lösen, kaum sichtbar von außen, aber deutlich spürbar für die Person selbst, ein Ersatz für die blockierte Hand, gefunden an einem Körperteil, der in solchen Momenten frei blieb.

Diese neue Bewegung entstand nicht auf einen Schlag, sondern über mehrere ähnliche Situationen hinweg, jedes Mal ein wenig deutlicher, ein wenig gezielter, bis sie sich zu einer eigenen, wiedererkennbaren Form verdichtet hatte. Zunächst war es nur ein unspezifisches Zappeln in den Schuhen gewesen, irgendwann wurde daraus ein klar rhythmisches Anspannen der Zehenspitzen, in etwa demselben Takt, in dem sonst der Nacken geknetet worden wäre.

Diese Art von Kontinuität, die weder einen exakt datierbaren Anfang noch eine bewusste Planung kennt, findet sich auch in der Grammatik, die unter Zustände beschrieben wird: kein einzelnes Ereignis, sondern ein Muster, das sich immer wieder von selbst einstellt, sobald die passenden Bedingungen, hier blockierte Hände in einer Wartesituation, erneut zusammentreffen.

Wenn ein gewohnter Weg versperrt ist, findet der Körper oft einen zweiten, ohne dass jemand ihn anweisen müsste.

Was diese zweite Bewegung von der ersten unterscheidet, ist ihre Unsichtbarkeit nach außen. Während das Kneten des Nackens für jeden im Raum sichtbar ist, bleibt das Anspannen der Zehen vollständig verborgen, ein Ritual, das ausschließlich für den eigenen Körper existiert, ohne jeden sozialen Anteil, ohne die Möglichkeit, von außen kommentiert zu werden, wie es beim Nacken einmal geschehen war.

Diese Verborgenheit machte die neue Bewegung in gewisser Weise noch verlässlicher als die alte. Sie ließ sich in jeder Situation einsetzen, ganz gleich, wie viele Menschen anwesend waren, ganz gleich, wie eng der Raum war, ohne dass je die Sorge bestand, sie könnte auffallen oder eine Frage nach sich ziehen. Sie wurde zu einem stillen, ausschließlich privaten Gegenstück zu der öffentlicheren, sichtbaren Nackengeste.

Am Ende dieser Entwicklung standen zwei getrennte, aber strukturell verwandte Bewegungen zur Verfügung, jede für ihre eigene Art von Wartesituation zuständig, ohne dass die eine je die andere hätte ersetzen müssen.

Bemerkenswert an dieser zweiten Bewegung war zudem, wie schnell sie sich verfeinerte, verglichen mit der langen, undatierbaren Entstehungsgeschichte der ersten. Während sich das Nackenkneten über Jahre hinweg unbemerkt entwickelt hatte, brauchte die Zehenbewegung nur wenige Monate, um dieselbe Selbstverständlichkeit zu erreichen, als hätte der Körper aus der ersten, langsamen Entstehung bereits eine Art Vorlage mitgenommen, die sich beim zweiten Mal schneller anwenden ließ.

Diese beschleunigte zweite Entstehung wirft eine interessante Frage auf: ob der Körper tatsächlich lernt, wie man Rituale erschafft, unabhängig vom konkreten Inhalt des jeweiligen Rituals. Es wäre dann nicht die Bewegung selbst, die gespeichert würde, sondern eher ein allgemeineres Verfahren, eine Art innerer Übung im Finden von Lösungen für unstrukturierte Zeit, die sich mit jeder neuen Anwendung ein wenig müheloser vollzieht.

Wenn sie sich verselbstständigt

Was zunächst als reiner Ersatz für blockierte Hände gedacht war, begann sich mit der Zeit von diesem ursprünglichen Anlass zu lösen. Bei einem Telefonat, das sich über eine Stunde hinzog, während beide Hände völlig frei auf dem Schreibtisch lagen, fiel plötzlich auf, dass die Zehen in den Schuhen bereits seit einigen Minuten in genau jenem vertrauten Rhythmus arbeiteten, obwohl nichts sie dazu gezwungen hätte, obwohl der Nacken jederzeit hätte gegriffen werden können.

Dieser Moment der bewussten Wahrnehmung war überraschend, fast irritierend. Die Zehenbewegung war offenbar nicht länger an die Bedingung gebunden, unter der sie einmal entstanden war, sondern hatte sich zu einer eigenständigen, parallel existierenden Alternative entwickelt, die auch dann auftreten konnte, wenn der ursprüngliche Grund, blockierte Hände, gar nicht vorlag.

Ein ähnlicher Moment ereignete sich einige Wochen später während eines langen Gesprächs an einem Küchentisch, die Hände frei, eine Tasse Tee vor sich, und dennoch dasselbe leise Arbeiten in den Schuhen, während der Nacken den ganzen Abend über unberührt blieb. Es schien, als hätte sich eine Art innere Präferenz entwickelt, eine Vorliebe für die neuere, unsichtbarere Variante, unabhängig davon, welche Hand gerade zur Verfügung stand.

Eine Bewegung, die aus einer Notlage entstand, kann irgendwann unabhängig von dieser Notlage weiterleben.

Dieses Phänomen, dass eine ursprünglich reine Ersatzhandlung beginnt, ihre eigene, unabhängige Existenz zu führen, lässt sich mit dem Gedanken verbinden, der in Der Körper, der weiß, wann ein Moment beginnt beschrieben wird: dass körperliche Signale sich oft früher und eigenständiger entwickeln, als der bewusste Verstand es für möglich hielte, und dass sie sich dabei durchaus von ihrem ursprünglichen Auslöser lösen können.

Diese Verselbstständigung wirft eine Frage auf, die sich nicht ohne Weiteres beantworten lässt: Ob die neue Bewegung die alte inzwischen tatsächlich verdrängt, oder ob beide weiterhin nebeneinander existieren, abhängig von Faktoren, die sich von außen kaum erkennen lassen, vielleicht der Tageszeit, vielleicht der allgemeinen inneren Anspannung, vielleicht einfach reinem Zufall.

Beobachtet man beide Bewegungen über einen längeren Zeitraum hinweg, zeigt sich, dass keine der beiden die andere vollständig verdrängt hat. An manchen Tagen dominiert der Nacken, an anderen die Zehen, ohne dass sich ein klares Muster erkennen ließe, das erklären würde, warum an einem bestimmten Tag die eine und nicht die andere Bewegung zum Zug kommt.

Ein möglicher Hinweis fand sich schließlich doch, allerdings eher zufällig als durch gezielte Beobachtung: An Tagen mit besonders viel körperlicher Bewegung, etwa nach langen Spaziergängen, schien der Nacken häufiger zum Einsatz zu kommen, während an eher sitzenden, bewegungsarmen Tagen die Zehen öfter aktiv wurden, als würde der Körper unbewusst dorthin greifen, wo an diesem speziellen Tag ohnehin schon weniger Bewegung stattgefunden hatte.

Diese mögliche Verbindung zwischen allgemeinem Bewegungspensum und der Wahl der jeweiligen Ritualbewegung blieb allerdings eine bloße Vermutung, nie systematisch überprüft, eher eine beiläufige Beobachtung im Rückblick auf einzelne Tage, die sich im Gedächtnis eingeprägt hatten, ohne dass daraus eine verlässliche Regel abgeleitet werden könnte.

Zwei Wege, ein Bedürfnis

Was diese beiden Bewegungen letztlich verbindet, ist nicht ihre äußere Form, die kaum unterschiedlicher sein könnte, eine sichtbare, soziale Geste am Nacken, eine unsichtbare, private Bewegung in den Schuhen, sondern das darunterliegende Bedürfnis, das beide auf ihre eigene Weise bedienen: die Notwendigkeit, eine unstrukturierte, leere Zeitspanne mit irgendeiner Form von körperlicher Aktivität zu füllen, ganz gleich, welche Hand oder welcher Körperteil dafür gerade verfügbar ist.

Diese Erkenntnis verändert den Blick auf beide Gesten rückwirkend. Weder das Kneten des Nackens noch das Anspannen der Zehen war je eine Reaktion auf eine tatsächliche körperliche Notwendigkeit, weder eine echte Verspannung noch eine wirkliche Durchblutungsstörung. Beide sind Antworten auf etwas viel Allgemeineres: auf die schlichte Unerträglichkeit reiner, unbesetzter Wartezeit, die der Körper offenbar nicht klaglos hinnimmt, sondern aktiv zu füllen sucht, mit welchem Mittel auch immer gerade zur Verfügung steht.

Es ließe sich einwenden, dass beide Bewegungen letztlich überflüssig seien, reine Zeitverschwendung an Körperteilen, die dafür eigentlich nicht gebraucht würden. Doch diese Sichtweise verkennt, wie sehr reines, unstrukturiertes Warten selbst eine Belastung darstellt, unabhängig davon, ob eine sinnvolle Handlung sie ausfüllt. Ein Wartender, der beide Hände ruhig an der Seite hält, ohne jede Bewegung, wirkt für die meisten Beobachter nicht entspannter, sondern eher angespannter, als hielte er etwas zurück, das eigentlich seinen Weg nach außen suchen müsste.

Vielleicht ist genau das der eigentliche Nutzen dieser beiden kleinen, funktionslosen Bewegungen: nicht die Muskulatur zu lockern, sondern der puren, inhaltsleeren Zeit eine Form zu geben, die sich aushalten lässt, ein Rhythmus, an dem sich die Aufmerksamkeit festhalten kann, während draußen nichts geschieht außer dem bloßen Verstreichen von Minuten.

Diese Art von Erinnerung an einen Zustand, die sich nicht an ein einzelnes Objekt oder einen einzelnen Ort bindet, sondern flexibel dort auftaucht, wo die passenden Bedingungen erneut zusammentreffen, findet sich auch in Ricordo Vivo wieder: kein starres Archiv, sondern etwas Lebendiges, das sich seinen eigenen, jeweils passenden Ausdruck sucht, auch wenn dieser Ausdruck sich über die Zeit hinweg verändert.

Zwei verschiedene Bewegungen können demselben, einzigen Bedürfnis dienen, ohne dass eine von beiden überflüssig würde.

Wer wissen möchte, wie sich solche stillen, kaum bemerkten Verdopplungen eines einzigen inneren Bedürfnisses auch klanglich einfangen lassen, findet dazu eine Ergänzung im Voce Podcast, in dem gerade jene unscheinbaren, doppelt vorhandenen Muster des Alltags eine eigene, hörbare Form bekommen.

Am Ende bleibt die Feststellung, dass keine der beiden Bewegungen jemals bewusst gewählt wurde, weder die erste noch die zweite, und dass beide dennoch mit einer Verlässlichkeit funktionieren, die weit über das hinausgeht, was eine bewusst geplante Technik je erreichen könnte. Sie sind nicht entstanden, weil irgendjemand entschieden hätte, dass sie entstehen sollten, sondern weil der Körper, ganz von selbst, einen Weg gefunden hat, mit dem umzugehen, was sich sonst kaum aushalten ließe: dem schlichten, leeren Vergehen von Zeit, in der nichts anderes zu tun bleibt, als zu warten.


La fiamma che ti abbraccia – Die Flamme, die dich umarmt.

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