Was übrig bleibt, wenn ein Duft vergeht.
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Ombra Celeste Magazin
Ein Duft verschwindet schneller, als man ihn fassen kann – aber etwas bleibt zurück, das sich schwer benennen lässt.
Der Regen
Am offenen Fenster steigt der Geruch nach warmem, nassem Asphalt auf, kaum eine Minute nachdem der erste Sommerregen auf die Straße gefallen ist, dieser eine, unverwechselbare Duft, der sich nicht recht beschreiben lässt, halb erdig, halb metallisch, mit einem Hauch von Staub, der gerade erst von der Nässe niedergeschlagen wurde. Er steigt auf, hält sich einige Minuten in der Luft, und beginnt dann bereits wieder zu verblassen, noch bevor der Regen selbst richtig aufgehört hat.
Dieser Duft gehört zu den kürzesten, die sich im Lauf eines Jahres beobachten lassen. Er ist an keinem Tag vorhersehbar, hängt von der Trockenheit der vorangegangenen Tage ab, von der Temperatur des Asphalts, von der Intensität des ersten Regenschauers, und er verschwindet fast immer innerhalb weniger Minuten, unabhängig davon, wie lange der Regen selbst noch anhält. Ein zweiter, dritter Schauer am selben Tag bringt ihn selten in derselben Stärke zurück.
Am Fenster stehend, während der Duft langsam schwächer wird, verändert sich der Blick auf die Straße kaum merklich. Die Autos fahren weiterhin vorbei, die Fußgänger unter ihren Schirmen bewegen sich im gewohnten Tempo, nichts an der äußeren Szene hat sich verändert, außer dass die Luft nun anders riecht, für ein paar kurze Minuten, bevor sie wieder zu ihrem gewohnten, geruchlosen Zustand zurückkehrt.
Manche Düfte sind so kurz, dass man sie eher erinnert als tatsächlich riecht.
Was nach diesen wenigen Minuten zurückbleibt, ist zunächst nur Stille, das gewohnte Hintergrundrauschen der Straße, ohne den besonderen Duft, der eben noch die Aufmerksamkeit gebunden hatte. Und doch lässt sich am Fenster stehend beobachten, dass etwas anderes sich verändert hat, nicht der Geruch selbst, der ist zweifellos weg, sondern eine Art Grundstimmung, die sich schwer in Worte fassen lässt.
Diese Grundstimmung äußert sich zunächst kaum wahrnehmbar, ein leichtes Absinken der Schultern, ein etwas langsamerer Atem, eine Bereitschaft, noch eine Weile am Fenster stehen zu bleiben, obwohl der eigentliche Auslöser dafür, der Duft selbst, längst verschwunden ist. Es ist, als hätte der kurze Kontakt mit diesem einen Geruch etwas in Gang gesetzt, das sich nicht mit derselben Geschwindigkeit wieder auflöst, mit der der Duft selbst vergangen ist.
Am Ende dieser ersten Minuten am Fenster lässt sich nur schwer sagen, wo genau der Duft aufgehört und diese andere, stillere Empfindung begonnen hat. Beide gehen ineinander über, ohne klare Grenze, ein kurzer, intensiver Anfang, gefolgt von einem längeren, viel schwächeren Nachklang, dessen genaue Dauer sich kaum je bewusst verfolgen lässt.
Ein kurzer Nachmittag
Ich erinnere mich an einen bestimmten Julinachmittag vor einigen Jahren, an dem der Regen kaum drei Minuten dauerte, ein kurzer, fast schon wieder vorbei, bevor man das Fenster überhaupt richtig geöffnet hatte. Der Duft, der in diesen wenigen Minuten aufstieg, war intensiv, aber auch er verschwand fast so schnell, wie er gekommen war, spätestens nach fünf Minuten war von ihm nichts mehr wahrzunehmen.
Was an diesem Nachmittag jedoch auffiel, war, wie lange die Ruhe anhielt, die dieser kurze Moment ausgelöst hatte. Ein Nachmittag, der zuvor von einer gewissen Unruhe geprägt war, mehrere unerledigte Aufgaben, ein Gefühl von Zeitdruck, das sich schon seit dem Vormittag aufgebaut hatte, wandelte sich nach diesen drei Minuten Regen und dem kurzen Duft am Fenster in etwas deutlich Ruhigeres, das den ganzen restlichen Nachmittag über bestehen blieb.
Diese Ruhe hielt sich über Stunden, weit länger als der Duft selbst, der objektiv gesehen kaum mehr als fünf Minuten wahrnehmbar gewesen war. Noch am frühen Abend, beim Kochen in der Küche, ließ sich eine Art Nachklang dieser Stimmung feststellen, eine Gelassenheit, die sich nur schwer auf etwas anderes als jenen kurzen Moment am Fenster zurückführen ließ.
Ein Duft kann in wenigen Minuten vergehen und trotzdem einen ganzen Nachmittag mit sich tragen.
Diese Art der Erinnerung, die sich nicht an ein einzelnes, klar abgegrenztes Ereignis bindet, sondern an einen Zustand, der sich über Stunden fortsetzt, findet sich auch in Ricordo Vivo wieder: eine Erinnerung, die sich nicht abrufen lässt wie ein Bild, sondern sich von selbst wieder einstellt, sobald ein ähnlicher Zustand erneut auftritt, ganz gleich, wie kurz der ursprüngliche Auslöser tatsächlich war.
Was diesen Nachmittag besonders im Gedächtnis behalten hat, ist gerade dieses auffällige Missverhältnis zwischen der kurzen Dauer des Duftes und der langen Dauer seiner Wirkung. Drei Minuten Regen, kaum fünf Minuten Duft, und doch ein ganzer Nachmittag, der sich spürbar anders anfühlte als der Vormittag davor, ohne dass sich dieser Unterschied auf irgendetwas anderes als jenen kurzen Moment zurückführen ließe.
Am Ende dieses Nachmittags, beim Zubettgehen, war auch diese Ruhe schließlich verklungen, abgelöst von der gewohnten, alltäglichen Stimmung, aber die Erinnerung an das auffällige Verhältnis zwischen kurzem Duft und langer Nachwirkung blieb bestehen, ein kleines Rätsel, das sich nicht recht auflösen ließ.
Ein anderer Tag
Einige Wochen später, an einem Tag mit deutlich stärkerem und länger anhaltendem Regen, der fast eine Stunde ununterbrochen fiel, ließ sich derselbe Duft erneut beobachten, diesmal intensiver, kräftiger, und über einen deutlich längeren Zeitraum hinweg wahrnehmbar als an jenem kurzen Julinachmittag. Fast zwanzig Minuten lang war der charakteristische Geruch am offenen Fenster klar zu riechen, bevor er allmählich schwächer wurde.
Nach den Erfahrungen des ersten Nachmittags wäre zu erwarten gewesen, dass ein derart intensiverer und länger anhaltender Duft auch eine entsprechend stärkere und länger anhaltende Nachwirkung erzeugen würde. Diese Erwartung bestätigte sich jedoch nicht. Schon eine Stunde nach Ende des Regens war von einer besonderen Ruhe oder Gelassenheit nichts mehr zu spüren, der Alltag hatte sich längst wieder in seinen gewohnten, leicht angespannten Rhythmus eingefunden.
Dieser deutliche Unterschied zwischen den beiden Tagen ließ sich zunächst nicht erklären. An beiden Tagen war derselbe charakteristische Duft aufgetreten, an beiden Tagen hatte er das Fenster und den angrenzenden Raum erfüllt, und doch war die Wirkung auf die folgenden Stunden fundamental verschieden, einmal ein ganzer, spürbar ruhigerer Nachmittag, einmal fast gar keine bemerkbare Nachwirkung, trotz der objektiv stärkeren und längeren Duftpräsenz.
Ein stärkerer Duft muss keine stärkere Nachwirkung erzeugen, und manchmal ist das genaue Gegenteil der Fall.
Diese Art von Widerspruch, bei dem sich zwei äußerlich ähnliche Situationen völlig unterschiedlich auswirken, lässt sich mit der Grammatik verbinden, die unter Zustände beschrieben wird: kein fester, vorhersagbarer Mechanismus, sondern etwas, das sich unter scheinbar ähnlichen äußeren Bedingungen völlig unterschiedlich einstellen oder ausbleiben kann, ohne dass sich dafür eine einfache, lineare Regel finden ließe.
Ein möglicher Unterschied zwischen den beiden Tagen lag im Ausgangszustand selbst. An jenem kurzen Julinachmittag hatte eine spürbare innere Unruhe geherrscht, die der kurze Duft offenbar unterbrechen und ablösen konnte. An dem Tag mit dem stärkeren Regen dagegen war die Stimmung schon vor dem Regen eher neutral gewesen, ohne besondere Anspannung, die hätte gelöst werden müssen.
Am Ende dieses zweiten Tages blieb vor allem die Verwirrung darüber bestehen, warum ausgerechnet der schwächere, kürzere Duft die stärkere Wirkung hinterlassen hatte, während der intensivere, länger anhaltende Duft kaum eine bemerkbare Spur zurückließ, ein Ergebnis, das jeder naheliegenden Erwartung widersprach.
Ein dritter Tag
Ein weiterer Vergleichsfall ergab sich im darauffolgenden Herbst, an einem Tag mit einem kurzen, aber ungewöhnlich schwachen Regenschauer, der kaum genug Feuchtigkeit auf den ohnehin schon feuchten Asphalt brachte, um überhaupt einen wahrnehmbaren Duft zu erzeugen. Am Fenster stehend war an diesem Tag nur ein sehr schwacher, kaum von der übrigen Herbstluft zu unterscheidender Hauch des vertrauten Geruchs zu bemerken, fast zu schwach, um ihn mit Sicherheit zu benennen.
Interessanterweise blieb an diesem dritten Tag auch jede spürbare Nachwirkung vollständig aus. Weder stellte sich eine besondere Ruhe ein wie an jenem Julinachmittag, noch ließ sich, wie am zweiten Tag, ein auffälliges Fehlen einer erwarteten Wirkung feststellen, einfach weil von vornherein kaum eine Wirkung zu erwarten gewesen wäre. Der Nachmittag verlief in jeder Hinsicht gewöhnlich, ohne besonderen Bezug zu dem kaum wahrnehmbaren Duft am Fenster.
Dieser dritte Fall fügte den ersten beiden eine wichtige Information hinzu. Es zeigte sich, dass nicht jeder schwache Duft automatisch eine starke Nachwirkung erzeugt, so wie es der erste Vergleich hätte vermuten lassen können. Der entscheidende Unterschied zwischen dem ersten und dem dritten Tag lag offenbar nicht allein in der Schwäche oder Kürze des Duftes selbst, sondern in etwas, das damit nur lose zusammenhing.
Ein schwacher Duft erzeugt nicht automatisch eine starke Nachwirkung, ebenso wenig wie ein starker Duft sie garantiert.
Vergleicht man alle drei Tage miteinander, den kurzen, intensiven Duft mit starker Nachwirkung, den langen, intensiven Duft mit kaum spürbarer Nachwirkung, und den schwachen, kurzen Duft ganz ohne nennenswerte Nachwirkung, lässt sich kein einfacher Zusammenhang zwischen Dauer oder Intensität des Duftes einerseits und der Stärke seiner Nachwirkung andererseits mehr aufrechterhalten. Etwas anderes muss den Ausschlag geben.
Am ehesten scheint dabei der innere Zustand vor dem jeweiligen Duftmoment eine Rolle zu spielen, so wie es sich schon beim Vergleich der ersten beiden Tage angedeutet hatte. Der dritte, geruchsschwache Herbsttag begann bereits in einer neutralen, unaufgeregten Stimmung, ähnlich wie der zweite Tag, was möglicherweise erklärt, warum an beiden Tagen kaum eine Nachwirkung zustande kam, unabhängig von der jeweiligen Duftintensität.
Am Ende dieses dritten Vergleichsfalls stand die Vermutung im Raum, dass der Duft selbst möglicherweise gar nicht der entscheidende Faktor ist, sondern eher ein Auslöser, der nur dann etwas bewirkt, wenn der Zustand davor bereits eine gewisse Bereitschaft zur Veränderung in sich trug.
Der Versuch, es zu wiederholen
Nach diesen drei Beobachtungen entstand der Wunsch, die Wirkung jenes ersten Julinachmittags gezielt herbeizuführen, nicht durch Zufall, sondern durch bewusste Vorbereitung. An einem weiteren Regentag im folgenden Frühling wurde extra darauf geachtet, das Fenster rechtzeitig zu öffnen, sich auf den ersten Duft zu konzentrieren, ihn bewusst wahrzunehmen, in der Hoffnung, dieselbe lang anhaltende Ruhe erneut auszulösen wie an jenem Tag im Jahr zuvor.
Dieser Versuch scheiterte vollständig. Der Duft selbst war klar wahrnehmbar, durchaus vergleichbar mit dem des ersten Tages, doch die erhoffte Nachwirkung blieb aus. Schon nach wenigen Minuten war die bewusste Konzentration auf den Duft selbst wieder verflogen, ohne dass sich daraus eine spürbare Veränderung der Stimmung für den restlichen Nachmittag ergeben hätte. Der Tag verlief unauffällig weiter, wie jeder andere auch.
Dieses Scheitern war aufschlussreicher als ein Erfolg es gewesen wäre. Es zeigte, dass die bewusste Absicht, eine Nachwirkung herbeizuführen, offenbar selbst zu einem Hindernis werden kann. Am ersten Julinachmittag war der Duft völlig unerwartet aufgetreten, ohne jede Vorbereitung, während die vorangegangene Unruhe des Vormittags noch ungelöst im Körper vorhanden war. Der bewusste Versuch, denselben Effekt zu wiederholen, brachte dagegen genau jene Unbefangenheit zum Verschwinden, die beim ersten Mal offenbar eine Rolle gespielt hatte.
Eine Wirkung, die aus Zufall entstand, lässt sich selten durch bloße Absicht wiederholen.
Diese Erkenntnis deckt sich mit einer weiteren Beobachtung aus den folgenden Monaten. In all den Fällen, in denen der vertraute Duft nach Regen tatsächlich eine spürbare Nachwirkung erzeugte, war dies nie das Ergebnis einer bewussten Erwartung gewesen. Immer traf der Duft überraschend auf einen Zustand, der bereits vor seinem Erscheinen bestand, ohne dass irgendjemand diesen Moment geplant oder herbeigeführt hätte.
Diese Unplanbarkeit macht die gesamte Angelegenheit schwerer zu untersuchen, als es zunächst schien. Es lässt sich kein Experiment aufbauen, das zuverlässig dieselben Bedingungen herstellt, weil der entscheidende Faktor, der innere Zustand vor dem Duft, sich nicht auf Bestellung erzeugen lässt. Man kann höchstens abwarten und im Nachhinein feststellen, ob an einem bestimmten Tag beide Voraussetzungen, ein wahrnehmbarer Duft und eine vorbestehende, ungelöste Spannung, zufällig zusammentrafen oder nicht.
Diese Unplanbarkeit erklärt möglicherweise auch, warum sich Erinnerungen an besonders intensive Momente nach einem Regen häufig auf ganz gewöhnliche, unspektakuläre Tage beziehen, nicht auf besonders vorbereitete oder erwartete Gelegenheiten. Der eine Julinachmittag war in keiner Weise ein besonderer Tag gewesen, kein Feiertag, kein besonderes Ereignis, nur ein gewöhnlicher Nachmittag mit ein wenig aufgestauter Unruhe, auf den zufällig ein kurzer, unerwarteter Regen traf.
Am Ende dieses gescheiterten Wiederholungsversuchs blieb die Einsicht, dass sich die eigentliche Wirkung eines Duftes nicht durch bewusste Steuerung herstellen lässt, sondern sich nur dort einstellt, wo Zufall und innerer Zustand unvorhersehbar zusammentreffen, ein Umstand, der die ursprüngliche Frage nach dem, was von einem Duft übrig bleibt, noch einmal deutlich komplizierter erscheinen lässt, als es die ersten drei Vergleichstage vermuten ließen.
Was tatsächlich bleibt
Betrachtet man alle drei Tage gemeinsam, wird ein Muster sichtbar, das sich deutlich von der ursprünglichen Annahme unterscheidet, ein stärkerer oder länger anhaltender Duft würde automatisch eine stärkere oder länger anhaltende Nachwirkung erzeugen. Stattdessen scheint die Nachwirkung weniger vom Duft selbst abzuhängen als von der Spannung, die vor seinem Erscheinen bereits im Körper vorhanden war und die er lösen oder unberührt lassen konnte.
Am kurzen Julinachmittag traf ein kurzer, aber klarer Duft auf einen Zustand spürbarer Unruhe, und genau dieses Zusammentreffen erzeugte eine lange, deutlich spürbare Nachwirkung. Am Tag mit dem stärkeren Regen traf ein intensiverer, länger anhaltender Duft auf einen bereits neutralen Zustand, ohne etwas zu lösen, das noch gebunden gewesen wäre, weshalb kaum eine Nachwirkung entstand. Am dritten Tag schließlich war weder der Duft stark genug noch der Ausgangszustand angespannt genug, um überhaupt etwas in Bewegung zu setzen.
Der gescheiterte Versuch, diese Wirkung anschließend bewusst zu wiederholen, fügte dieser Beobachtung eine weitere Ebene hinzu: Selbst ein an sich geeigneter Duft, der auf einen möglicherweise passenden Zustand trifft, kann seine Wirkung verlieren, sobald die Erwartung selbst zu einem zusätzlichen, störenden Faktor wird. Es scheint, als bräuchte dieses Zusammentreffen zwischen Duft und innerem Zustand eine gewisse Unbeobachtetheit, um sich überhaupt entfalten zu können.
Diese Beobachtung verschiebt die Frage nach dem, was von einem Duft übrig bleibt, in eine andere Richtung. Es geht offenbar weniger darum, wie stark oder wie lange ein Duft selbst wahrnehmbar ist, sondern darum, worauf er trifft, welchen inneren Zustand er vorfindet, den er möglicherweise verändern kann oder eben nicht.
Was von einem Duft bleibt, hängt weniger von ihm selbst ab als von dem, worauf er trifft.
Wer wissen möchte, wie sich solche flüchtigen, kaum vorhersehbaren Zusammentreffen zwischen einem kurzen Reiz und einem längeren inneren Zustand auch klanglich einfangen lassen, findet dazu eine Ergänzung im Voce Podcast, in dem gerade solche unscheinbaren, schwer vorhersagbaren Momente eine eigene, hörbare Form bekommen.
Ein ähnlicher Gedanke, dass ein einzelnes sinnliches Signal weniger durch seine eigene Intensität wirkt als durch das, was es in einem bestehenden Zustand berührt, findet sich auch in Stille Gespräche – Ein Licht, das bleibt, dort am Beispiel eines Lichts entwickelt, aber mit derselben Grundbeobachtung: dass Wirkung selten proportional zur Stärke des Auslösers verläuft.
Seit diesen drei Vergleichstagen fällt der Blick auf jeden neuen Sommerregen anders aus, weniger auf die Stärke oder Dauer des Duftes selbst gerichtet als auf die stille Frage, in welcher Verfassung der Nachmittag begonnen hat, bevor der erste Tropfen fiel. Der Duft allein, das lässt sich inzwischen mit einiger Sicherheit sagen, entscheidet nicht darüber, was von ihm bleibt.
Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass ein Duft weniger ein Ereignis mit eigener, festgelegter Wirkung ist als vielmehr ein flüchtiger Kontaktpunkt, an dem sichtbar wird, was ohnehin schon vorhanden war. Was übrig bleibt, wenn ein Duft vergeht, ist selten der Duft selbst, sondern das, was er in einem bereits bestehenden Zustand berührt, gelöst oder eben unberührt gelassen hat.
La fiamma che ti abbraccia – Die Flamme, die dich umarmt.